MPA fordert Netzsperren in den USA, nachdem eine Rekordaktion nichts änderte

03.08.2026 4 Min. Lesezeit 11
MPA fordert Netzsperren in den USA, nachdem eine Rekordaktion nichts änderte

Die grösste Anti-Piraterie-Aktion, die je rund um ein einzelnes Turnier lief, endete mit einer Zahl, die in Hollywood niemand sehen wollte. Operation Offsides beschlagnahmte rund um die WM 2026 mehr als tausend Domains, und die beschlagnahmten Seiten sammelten allein im Juli trotzdem über 156 Millionen Besuche. Die Motion Picture Association zieht daraus ihren Schluss: die USA brauchen gerichtliche Netzsperren, das einzige Durchsetzungsmittel, das ihnen noch fehlt.

Was die Aktion wirklich gebracht hat

US-Behörden und ihre Partner nahmen mehr als 1000 Domains vom Netz, rund 2000 weitere wurden in Lateinamerika gesperrt. Auf dem Papier ein Rekord. In der Praxis verschwand das Publikum nicht mit den Domains: der Traffic der beschlagnahmten Seiten lag im Juli bei über 156 Millionen Besuchen, und ein spanischsprachiger Stream-Aggregator in der russischen Zone .su kam im selben Monat auf über 200 Millionen Besuche.

Die Betreiber schlossen nicht, sie zogen um. Buffstreams, Footybite, Totalsportek und Nflbite tauchten in der iranischen Zone .ir wieder auf, wo amerikanische Anordnungen nichts bewirken, andere blieben auf .su. Eine Domain zu beschlagnahmen entfernt eine Adresse, nicht ein Geschäft.

Das Argument der MPA

MPA-Chef Charles Rivkin und IPR-Center-Direktor Ivan Arvelo sagen es klar: Domainbeschlagnahmen "zerschlagen das Geschäft nicht", nötig sei jedes verfügbare Mittel, "allen voran" gerichtliche Netzsperren in den USA. Ihre Stützzahl: Sperren gibt es bereits in fast 60 Ländern, was die amerikanische Haltung vom Prinzip zum statistischen Ausreisser macht.

Der Kongress ist so nah dran wie seit Jahren nicht. Darrell Issa, Vorsitzender des Unterausschusses für geistiges Eigentum im Repräsentantenhaus, erklärte Ende Juni, eine parteiübergreifende Einigung beider Kammern sei nah und frühere Sperr-Entwürfe würden zu einem Gesetz zusammengeführt. Ein einheitlicher Text liegt noch nicht vor, die Richtung steht aber fest.

Warum ein Sperrgesetz nicht bei Piratenseiten endet

Sperren bleiben nie bei der ersten Domainliste. Die europäische Erfahrung ist das beste Argument dagegen, sie für ein eng begrenztes Werkzeug zu halten, und wir haben jeden Schritt begleitet:

Das Muster wiederholt sich. Ein Sperrregime beginnt mit Domains, greift dann auf DNS-Resolver zu und landet bei der Frage, was mit den Werkzeugen geschehen soll, mit denen Menschen die gesperrte Adresse trotzdem erreichen. So gerät VPN-Traffic in eine Urheberrechtsdebatte, um die er nie gebeten hat.

Was das für normale Nutzer in den USA bedeutet

Gerichtliche Sperren lesen keine Inhalte und zielen nicht auf Einzelpersonen. Sie ändern aber die Form des Netzes, das man benutzt. Umgesetzt wird meist zuerst auf DNS-Ebene, deshalb zeigt sich der Effekt als nicht auflösende Domains, Umleitungen auf Hinweisseiten und ein Internet, das sich je nach Resolver des Anbieters still unterschiedlich verhält.

Wichtig: ein auf Piraterie gerichtetes Gesetz verändert trotzdem die Standardeinstellungen für alle in diesem Netz, auch für Leute, die nie eine Streamingseite öffnen. Überblocking ist keine Theorie: geteilte IP-Adressen und CDN-Endpunkte gerieten in jeder Jurisdiktion unter die Räder, die es versucht hat.

Wo Verschlüsselung ehrlicherweise steht

Ein verschlüsselter Tunnel ändert, welcher Resolver antwortet und welches Netz die Anfragen sieht, deshalb greifen DNS-Sperren nicht mehr. Das ist eine technische Feststellung, keine Zustimmung zur Piraterie: derselbe Mechanismus schützt Reisende, deren Hotel-WLAN DNS umbiegt, und Leser in Ländern, wo eine Nachrichtenseite gesperrt ist. Und genau deshalb driften Sperrgesetze mit der Zeit Richtung Tunnel, weshalb die Formulierungen des US-Entwurfs wichtiger sind als seine Überschrift.

Fazit: Operation Offsides zeigte die Grenzen von Domainbeschlagnahmen und lieferte der Sperr-Lobby ihr bestes Argument seit Jahren: eine Rekordaktion und 156 Millionen Besuche im selben Monat. Was der Kongress als Nächstes schreibt, legt das Standardverhalten des amerikanischen DNS für alle fest, nicht nur für Leute, die Fussball über eine .ir-Adresse schauen. Genau dieser Teil verdient beim Erscheinen des Gesetzentwurfs die genaue Lektüre.
Tags: site blocking piracy zensur usa legislation dns copyright mpa digital rights

Auch lesenswert