Eine neue belgische Anordnung zur Seiten-Sperrung zeigt, wie tief die Anti-Piraterie-Durchsetzung in Europa inzwischen in die Innereien des Internets greift. Die von den Sendern RTL Belgium und RTBF erwirkte Anordnung weist nicht nur Internetprovider an, fünf illegale IPTV-Dienste zu sperren. Sie nennt auch Cloudflare und Google direkt und zieht damit Giganten der Content-Auslieferung und der Plattformen in die Sperrmaschine. Doch in derselben Anordnung trat das Gericht an einer Front leise zurück: Cloudflare und Google mussten nicht über ihre öffentlichen DNS-Resolver sperren.
Was die belgische Anordnung tatsächlich tut
Belgien ist zu einem der aktivsten Testfelder Europas für Seiten-Sperrungen geworden. Sein zweistufiges System, in dem ein Gericht eine Verfügung erlässt und eine Behörde dann über die Umsetzung entscheidet, produziert seit dem Start 2025 einen stetigen Strom von Anordnungen. Die jüngste zielt auf fünf Piraten-IPTV-Angebote und geht bemerkenswerterweise über gewöhnliche Zugangsanbieter hinaus zu Cloudflare und Google. Die Botschaft ist klar: Rechteinhaber machen nicht mehr auf der ISP-Ebene halt, sie wollen, dass auch die Firmen handeln, die Inhalte hosten, weiterleiten und sichtbar machen.
Warum das DNS diesmal verschont wurde
Auffällig ist, was die Anordnung ausliess. Cloudflare und Google mussten die Seiten nicht über ihre öffentlichen DNS-Resolver sperren, ein Rückzug, der fast sicher den juristischen Gegenwind früherer belgischer Vorgaben widerspiegelt. Frühere DNS-Sperr-Anordnungen waren umstritten genug, dass Cisco seinen OpenDNS-Dienst lieber vorübergehend aus dem Land zog, als sich zu fügen. Infrastrukturfirmen argumentieren seit Langem, dass DNS-Resolver zur Zensur zu zwingen technisch plump und leicht zu umgehen ist. Google hat das den europäischen Regulierern unverblümt gesagt und gewarnt, dass das Sperren von VPNs und DNS wirkungslos und schädlich ist und weitreichendes Overblocking legitimer Dienste riskiert.
Sperren klettern den Internet-Stack hinauf
Das grössere Muster ist, dass Sperr-Anordnungen den Stack weiter hinaufwandern. Sie begannen auf ISP-Ebene, erreichten dann Content-Delivery-Netze und DNS-Resolver und richten sich nun zunehmend auch gegen VPN-Anbieter. Frankreich lieferte das deutlichste Beispiel, als ein Pariser Gericht fünf grosse VPNs zur Sperrung von Piraten-Streams verpflichtete. Jede neue Schicht, die Gerichte einspannen wollen, vergrössert den Kollateralschaden, denn DNS-Resolver, CDNs und VPNs sind gemeinsame Infrastruktur, die Millionen gewöhnlicher Menschen für Datenschutz, Sicherheit und alltägliches Surfen nutzen, nicht nur eine Handvoll Piraten.
Wo das Recht zurückschlägt
Die Durchsetzung schreitet nicht ungebremst voran. In derselben Woche lieferte Europas höchstes Gericht ein Gegengewicht und urteilte, dass VPNs eine legitime Technologie sind und Anbieter nicht haften, wenn Nutzer Geoblocking umgehen. Andernorts befand Bulgariens Oberster Gerichtshof breite Piratenseiten-Sperren für rechtlich unmöglich nach seinen Regeln. Das Ergebnis ist eine zersplitterte Landkarte: manche Gerichte weiten Anordnungen den Stack hinauf aus, andere ziehen harte Grenzen, und die belgische DNS-Ausnahme sitzt genau auf dieser Bruchlinie.
Für gewöhnliche Nutzer geht es praktisch eher um Widerstandsfähigkeit als um Piraterie. Während sich Filterung über ISPs, DNS und Plattformen ausbreitet, zählen die Teile Ihrer Verbindung, die Sie tatsächlich kontrollieren, umso mehr. Ein VPN verschlüsselt Ihren Verkehr und verlagert Ihre DNS-Abfragen weg von einem gefilterten lokalen Resolver, weshalb Gerichte es immer wieder ins Visier nehmen, und weshalb die rechtliche Anerkennung als legale Technologie so wichtig ist. Die Richtung in Europa lautet mehr Filterung auf mehr Ebenen, und zu wissen, welche Ebene sperrt, ist der erste Schritt zu verstehen, was noch funktioniert.