US-Richterin: Flock-Kennzeichensuche ohne Beschluss war verfassungswidrig
Ein Bundesrichter in Oklahoma hat entschieden, dass die Abfrage des Kennzeichen-Lesesystems Flock durch die Polizei ohne richterlichen Beschluss gegen den Vierten Zusatzartikel der US-Verfassung verstößt. Am 1. Oktober bezeichnete Richterin Sara Hill vom Northern District of Oklahoma die Technik als „eine Form wahlloser Massenüberwachung“ und schloss die dadurch gewonnenen Beweise aus. Laut 404 Media ist es eine der ersten Entscheidungen, in denen ein Bundesrichter eine Flock-Abfrage für verfassungswidrig erklärt.
Es geht um den Fall United States v. Kyle. Im Mai 2026 fuhr Freddie Alaniz, Hilfssheriff im Tulsa County und zugleich Mitglied einer DEA-Task-Force, auf der Interstate 44 hinter einem Mazda-SUV her, und zwar aus einem einzigen Grund: Das Fahrzeug hatte kalifornische Kennzeichen. Während der Fahrt ließ er das Kennzeichen durch Flock und andere Kennzeichen-Lesesysteme laufen. Die Abfrage lieferte mehr als 50 Einträge, die rund einen Monat Fahrtroute abdeckten, von Oklahoma bis an die Grenze zwischen Kalifornien und Arizona und wieder zurück Richtung Missouri.
Anschließend stoppte Alaniz den Wagen wegen eines Spurwechsels ohne Blinker. Im SUV fanden die Beamten rund 41 kg Methamphetamin, Marihuana und 7.000 Dollar in bar. Der Fahrerin, der 46-jährigen Melisa Kyle aus Crane in Missouri, wird Besitz von Methamphetamin mit Handelsabsicht vorgeworfen. Die Richterin schloss sowohl die Flock-Daten als auch alles aus, was im Fahrzeug gefunden wurde.
Warum die Richterin von Massenüberwachung sprach
Die Anklage stützte sich auf United States v. Knotts, eine Entscheidung des Supreme Court von 1983, wonach es auf öffentlichen Straßen keine berechtigte Privatsphäre-Erwartung hinsichtlich der Bewegungen eines Autos gibt. In Knotts verfolgte die Polizei ein einziges Fahrzeug auf einer einzigen Fahrt mit einem Funksender. Hill machte einen Unterschied: Flock-Kameras erfassen im Voraus jedes vorbeifahrende Auto, sodass ein Beamter die Fahrthistorie eines Fahrers abrufen kann, der zum Zeitpunkt der Datenerhebung niemandem verdächtig war. Dem Urteil zufolge haben die Systeme „in ihre berechtigte Privatsphäre-Erwartung eingegriffen“, und die Praxis „nähert sich einer Rasterfahndung“. „Der Vierte Zusatzartikel verlangt von den Gerichten, eine Grenze zu ziehen, wenn der Preis zu hoch ist“, schrieb Hill.
Das Ausmaß ist entscheidend. Laut 404 Media führt die Polizei in den USA mehr als 100.000 Flock-Abfragen pro Monat ohne richterlichen Beschluss durch. Im September zeigten Hacker, die eine Flock-Kamera zerlegt hatten, dass ein einzelnes Gerät in 21 Tagen 1,6 Millionen Bilder aufgenommen hat.
Die Gerichte sind uneins
Die Entscheidung bindet andere Gerichte nicht, und Berufungsgerichte haben bereits gegenteilig entschieden. Am 17. März 2026 stellte der Fifth Circuit in United States v. Porter fest, dass die Abfrage eines Kennzeichen-Lesesystems keine Durchsuchung im Sinne des Vierten Zusatzartikels sei. Die Begründung: Das System liefere nur vereinzelte Standort-Treffer auf öffentlichen Straßen und könne anders als ein Handy nicht „die Gesamtheit“ der Bewegungen einer Person nachverfolgen.
Seitdem hat sich die Lage bei Standortdaten verändert. Am 29. Juni entschied der Supreme Court in Chatrie v. United States, dass die Polizei eine Durchsuchung vornahm, als sie den Standortverlauf eines Verdächtigen bei Google einholte. Ob dieselbe Logik auch für Kameras am Straßenrand gilt, müssen nun die Berufungsgerichte klären.
Flock, das an dem Verfahren nicht beteiligt war, erklärte, die Entscheidung „widerspricht dem überwältigenden Gewicht der Rechtsprechung“ in ähnlichen Fällen, darunter jüngeren aus Oklahoma, und man erwarte, dass das Urteil angefochten und aufgehoben wird. Die Berufung ginge an den Tenth Circuit.
• Federal Judge Rules a Flock Search Was 'Indiscriminate Mass Surveillance' and Unconstitutional - 404 Media
• Federal Judge Rules Flock License Plate Search Unconstitutional After Cop Followed Woman Over California Plate - Law Commentary
• United States v. Porter, No. 25-60163 - US Court of Appeals for the Fifth Circuit