Proton hostet Karte mit 300.000 Flock-Geräten, die Flock entfernen lassen wollte

24.10.2026 4 Min. 8

Proton, das Schweizer Unternehmen hinter Proton Mail und Proton VPN, hostet jetzt eine öffentliche Karte mit mehr als 300.000 Geräten von Flock Safety, dem US-Hersteller von Kameras zur automatischen Kennzeichenerkennung. Erstellt hat die Karte der Sicherheitsforscher Joshua Michael, gegen den Flock seit der Veröffentlichung im September eine Markenbeschwerde eingereicht und eine Unterlassungsaufforderung verschickt hat. Proton will nach eigenen Worten den Zugang zu einem Forschungsprojekt sichern, dessen Urheber rechtlich bedroht wird, berichtete CyberInsider am 23. Oktober.

Was die Karte zeigt

Die Karte auf proton.me verzeichnet mehr als 170.000 Kameras und über 130.000 weitere Flock-Geräte. Über die Postleitzahl lässt sich nachsehen, welche Kameras in der Nähe oder entlang einer Route stehen. Flock selbst nennt öffentlich rund 120.000 Kameras, Michaels Bestand ist also etwa 40 % größer. Laut Proton verarbeitet das Flock-Netz monatlich mehr als 20 Milliarden Fahrzeugerfassungen in 49 Bundesstaaten.

Die Daten stammen vom Dezember 2025, später installierte oder abgebaute Kameras fehlen also. Anders als bei Freiwilligenprojekten wie DeFlock, bei denen Menschen gesichtete Kameras melden, stammt dieser Bestand aus Flocks eigenen Systemen.

Wie die Daten nach draußen gelangten

Im November 2025 stellte Michael fest, dass die Website von Flock ohne Anmeldung ein Zugriffstoken ausgab, mit dem sich die Standorte aller Geräte abrufen ließen. Er meldete die Lücke, hakte zweimal nach, als keine Antwort kam, und sicherte den Bestand im Dezember. In einem Blogbeitrag vom Januar erklärte Flock, man sei „nie gehackt worden“ und es habe „kein Leck von Flock-Informationen“ gegeben, berichtete Straight Arrow News.

Am 23. September 2026 veröffentlichte Michael eine 160-seitige Forschungsarbeit samt Karte. Am Tag darauf reichte Doppel, eine für Flock tätige Firma für Markenschutz, eine Beschwerde wegen der Verwendung des Namens „Flock Safety“ ein, obwohl die Seite ausdrücklich angibt, nicht mit dem Unternehmen verbunden zu sein. Am 25. September schrieb Michael, Flock habe ihm eine Unterlassungsaufforderung mit Klagedrohung geschickt und seinen Kunden mitgeteilt, man habe die Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet.

Laut CyberInsider schrieb Flock in der Kundenmitteilung, man habe den Zugang im Dezember geschlossen und zunächst keine Hinweise auf unbefugten Zugriff gefunden. Nach einer erneuten Prüfung im September stellte das Unternehmen auffällige Aktivitäten mit dem Token fest, Kundendaten seien aber nicht betroffen. Michael sieht im ersten Befund den Beweis, dass Flock nicht erkennen konnte, wer auf seine Systeme zugriff. Seine frühere Forschung zu den Kameras haben wir in unserem Artikel über die gehackte Flock-Kamera beschrieben.

Warum Server in der Schweiz zählen

Protons Position, wie Gadget Review sie zusammenfasst: Eine ausländische Löschforderung hat gegen Inhalte auf Schweizer Servern kaum praktische Wirkung, solange kein Schweizer Gerichtsbeschluss dahintersteht. Das ist Protons Argument, kein Urteil, und Flock hat nicht öffentlich gesagt, ob es gegen Proton vorgehen will.

Eine Stadt stimmt in derselben Woche ab

Am Abend des 22. Oktober beschloss der Stadtrat von New Bedford in Massachusetts mit 8 zu 3 Stimmen, dass die Stadt keine Kennzeichenleser mehr betreiben und keine Verträge dafür verlängern darf, berichtete TurnTo10. Die Kameras sind dort seit August abgeschaltet, nachdem zwei Polizisten beschuldigt wurden, damit ihre Partnerinnen und Partner verfolgt zu haben. Bürgermeister Jon Mitchell entließ beide am selben Tag. Er hat 10 Tage, um die Verordnung zu unterzeichnen oder sein Veto einzulegen, und hat gesagt, ein dauerhaftes Verbot „würde unsere Stadt unsicherer machen“. Acht Stimmen reichen jedoch, um ein Veto zu überstimmen. Der Initiator, Stadtrat Shane Burgo, nennt die Regelung eine Übergangslösung, bis der Rat dauerhafte Vorgaben schreibt, so The New Bedford Light. Der Vertrag der Stadt mit Flock läuft am 12. November aus.

Wie weit die Polizei Flock-Daten nutzen darf, wird auch vor Gericht geprüft: Im Oktober erklärte ein Bundesrichter in Oklahoma eine Suche im Netz ohne Durchsuchungsbeschluss für verfassungswidrig.

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