iPhone-Tastatur schlägt rund 100.000 Phrasen heimlich nicht vor, sagt ein Forscher
Die iPhone-Tastatur enthält eine versteckte Liste von Wörtern und Phrasen, die sie nicht vorschlägt. Das meldete der Forscher Derik Kauffman am 6. November. Er veröffentlichte die Listen für Englisch und andere Sprachen, entschlüsselt aus Apples eigenen Datendateien. Die meisten Einträge sind vulgär oder drehen sich um Drogen, Sex und Gewalt, doch auch "NSA surveillance" (NSA-Überwachung), "Tibetan independence" (Unabhängigkeit Tibets) und "dictator Trump" stehen darauf. Reuters testete eine kleine Stichprobe auf einem iPhone, und die Tastatur verhielt sich wie beschrieben.
Kurz gesagt
- Verboten ist nichts. Buchstabe für Buchstabe lässt sich alles tippen, die Liste betrifft nur Wortvorschläge und das Streichen über die Tastatur.
- Rund 100.000 Einträge sind Kauffmans vorsichtige Schätzung für alle Sprachen ohne Chinesisch. Weder Umfang noch Inhalt hat Apple bestätigt.
- Apple erklärte, die Tastatur vermeide unangemessene oder beleidigende Vorschläge. Die politischen Einträge erläuterte der Konzern nicht.
Was die Tastatur macht
Die Wortvorschläge bieten eine gelistete Phrase nie an, selbst wenn sie das naheliegende nächste Wort wäre. Auch per Streichen kommt sie meist nicht zustande: Die Tastatur wählt ein anderes Wort oder ändert ein bereits eingegebenes. Im Reuters-Test ergab "United Ireland" oft "United Iceland", aus "Sleepy Joe" wurde "Sleepy hope" und aus "white man" wurde "white mean", während "red man" durchging. "Dictator Trump" ließ sich streichen, allerdings mit kleinem "trump", und die Autovervollständigung bot stattdessen "dictator trumps" an.
Die Regeln greifen nur bei exakten Wortfolgen, kleine Änderungen kommen also durch. "Taiwan is country" ist gesperrt, "Taiwan is a country" nicht. Die Prüfung läuft lokal auf dem Gerät, bevor ein Vorschlag erscheint.
Was noch auf der Liste steht
Jede Sprache hat eigene Einträge. Auf Hindi sind es Spitzen gegen Narendra Modi und Rahul Gandhi, auf Hebräisch "die besetzten Gebiete", auf Italienisch "Die Krim ist russisch", auf Türkisch "Völkermord an den Armeniern", auf Französisch "zu hohe Einwanderung". Die chinesischen Listen enthalten "Vierter Juni" und den Namen Liu Xiaobo, dort funktioniert es aber anders: Die Wörter erscheinen, doch danach schlägt die Tastatur nichts mehr vor. Die russische Tabelle ist nur teilweise entschlüsselt, zu den lesbaren Einträgen gehört "Krieg mit Georgien".
Manches wirkt uneinheitlich. "Read smut" (Schmuddelkram lesen) lässt sich streichen, "read gay smut" nicht. "I'm white" ist gesperrt, "I'm black" nicht.
Wie die Liste gefunden wurde
Kauffman sagte Reuters, er habe im September zu suchen begonnen, nachdem das Streichen bei bestimmten Phrasen gestockt habe. Die Ursache verfolgte er mit Codex von OpenAI und Claude Code von Anthropic. Die Tabellen enthalten keinen Text, sondern 32-Bit-Fingerabdrücke, deshalb wurden die Phrasen durch das Prüfen von Kandidaten rekonstruiert. Die veröffentlichten Listen sind unvollständig, der Code ist öffentlich. Der Ingenieur Matt Suiche von Tolmo sagte Reuters, er habe dieselbe Liste unabhängig rekonstruiert und eine nahezu perfekte Übereinstimmung erhalten.
Die Versionsgeschichte zeigt, dass die Liste bearbeitet wird. "Dictator Trump" kam mit iOS 16.1 hinzu, "sleepy Joe" mit iOS 16.2. "President Trump" und "President Bush" wurden 2022 gesperrt und in iOS 26.3 entfernt. Einzige Neuerung in iOS 27.0 war "Zionist propaganda". Kauffman warnt, dass der Eintrag einer Phrase nichts darüber aussagt, warum Apple sie aufgenommen hat.
"Das sollte nicht geheim sein"
Apple teilte Reuters mit, Nutzer könnten jederzeit jedes Wort tippen und Vorschläge übergehen. Direkt äußerte sich der Konzern nicht zu den Ergebnissen. Kauffman versteht nach eigenen Worten, warum Apple obszöne oder aufwieglerische Vorschläge vermeiden will, fügt aber hinzu: "Das ist eine sehr sanfte Form der Zensur. Aber bei Apples Größe genügt eine sanfte Berührung für eine große Wirkung."
David Greene, Senior Counsel der Electronic Frontier Foundation, sagte, ein Teil von ihm finde die Liste unheimlich, er sehe aber auch Argumente dafür, unerwünschte Vorschläge zu bremsen. "Aber wenn sie das tun, sollten Nutzer das wirklich gut wissen und es in gewissem Maß anpassen können", sagte er Reuters. "Das sollte nicht geheim sein."
• Swipeblocked: the phrases your iPhone won't suggest - Derik Kauffman
• How it works - Swipeblocked
• Changes - Swipeblocked
• derikk/swipeblocked - GitHub
• Apple's predictive text restrictions include 'Dictator Trump' and 'Sleepy Joe,' researcher finds - Reuters via The Express Tribune
• Researcher finds Apple list of phrases the iPhone keyboard won't suggest - The Next Web