Russland entfernt iStories aus dem App Store: Das letzte unabhangige Medium ohne VPN wird abgeschaltet

31.05.2026 3
Russland entfernt iStories aus dem App Store: Das letzte unabhangige Medium ohne VPN wird abgeschaltet

Russland hat die mobile App von iStories, einem unabhangigen russischen Recherchejournalismus-Outlet, aus dem App Store entfernt - und damit die einzige grosse unabhangige Medienplattform eliminiert, die speziell fur den Betrieb in Russland ohne VPN entwickelt worden war. Der Schritt folgte einer Anordnung der russischen Medienbehorde Roskomnadzor vom April 2026, die Apple und Google aufforderte, die App unter Androhung rechtlicher Konsequenzen zu loschen.

Entwickelt, um Sperren zu umgehen

iStories (Wichtige Geschichten) startete seine mobile App im Februar 2026 mit einem einzigen Ziel: Russland ermoglichen, unabhangigen investigativen Journalismus ohne VPN oder andere Umgehungstools zu lesen. Russland hat im Laufe der Jahre Tausende von Websites gesperrt, darunter die meisten oppositionellen und unabhangigen Medien. Die VPN-Nutzung stieg nach der Invasion in der Ukraine 2022 stark an, aber die Behorden gehen auch aggressiv gegen VPN-Dienste vor - seit 2017 wurden mehr als 700 davon aus russischen App-Stores entfernt.

Die iStories-App war ein Versuch, einen anderen Weg zu finden: eine native mobile Anwendung, die Inhalte uber Mechanismen abrufen konnte, die die Standard-DNS-Sperrung umgehen. Die App wurde schnell zu einer der wenigen verbliebenen Rettungsleinen fur Russen, die unabhangige Berichterstattung ohne technischen Mehraufwand lesen wollten. Sie verbreitete iStories-Recherchen uber Korruption, Kriegsverbrechen und Kreml-Politik - genau die Art von Inhalten, die Roskomnadzor als "Falschnachrichten" oder "destabilisierendes Material" einstuft.

Der Abschaltbefehl

Ende April 2026 sandte Roskomnadzor formelle Abschaltanschreiben an Apple und Google und forderte die Entfernung der iStories-App aus ihren russischen Stores. Die Behorde beschuldigte die App, "die gesellschaftspolitische Lage in der Russischen Foderation zu destabilisieren" und Inhalte zu verbreiten, die gegen russisches Recht verstossen. iStories veroffentlichte den vollstandigen Wortlaut der Briefe und bezeichnete die Anordnung als offensichtlichen Zensurakt gegen unabhangigen Journalismus.

Apple kam der Forderung nach und entfernte die App aus dem russischen App Store. Dies entspricht einem gut etablierten Muster: Apple erfullt seit Jahren systematisch die Forderungen von Roskomnadzor. Im Jahr 2024 entfernte das Unternehmen nach einem ahnlichen Befehl die Radio Free Europe-App aus dem russischen Store. Apples eigener Transparenzbericht vom Mai 2026 enthullte, dass russische Behorden 2025 die Entfernung von 1.213 Apps aus dem App Store forderten - mehr als jedes andere Land der Welt, einschliesslich China.

Warum dieser Fall anders ist

Was die iStories-Entfernung besonders bedeutsam macht: Die App war kein VPN. Sie verschlusselte keinen Datenverkehr und leitete ihn nicht uber auslandische Server. Sie war speziell dafur konzipiert, dass Russen unabhangigen Journalismus uber alternative Liefermethoden abrufen konnen - weil VPN-Tools zunehmend blockiert, rechtlich riskant oder in russischen App-Stores nicht verfugbar sind.

Russland hat die Forderung von VPNs unter Strafe gestellt und Druck auf Apple und Google ausgeubt, VPN-Anwendungen aus ihren russischen Storefronts zu entfernen. Die iStories-App war eine direkte Umgehung dieser Einschrankungen - und ihre Entfernung signalisiert, dass der Zensurapparat nicht mehr damit zufrieden ist, allein die VPN-Infrastruktur anzugreifen. Jede App, die innerhalb Russlands unzensierte Nachrichten liefert - unabhangig von ihrem technischen Mechanismus - wird nun als Bedrohung behandelt.

Muster: Unabhangige Medien werden im Netz gesperrt. Sie wechseln zu Apps. Die Apps werden aus den Stores entfernt. Jede Iteration schlieBt eine weitere Tur.

Apples Compliance-Problem

Apple hat seine Verpflichtung zur Einhaltung lokaler Gesetze stets als Begrundung fur das Entfernen von Apps in Russland, China und anderen autoritaren Markten angefuhrt. Kritiker - darunter iStories selbst - argumentieren, dass diese Compliance Apple zu einem aktiven Teilnehmer an Zensur macht, nicht zu einem neutralen Plattformbetreiber. Die dominante Stellung des Unternehmens im App-Distributionsmarkt bedeutet, dass eine einzige Regierungsforderung, unterstuzt von der Drohung mit Marktbeschrankungen, eine Medienorganisation fur Millionen von Nutzern gleichzeitig zum Schweigen bringen kann.

Fur russische iPhone-Nutzer gibt es keine Alternative zum App Store. Sideloading ist technisch moglich, aber komplex und den meisten Nutzern unbekannt. Diese strukturelle Abhangigkeit gibt Regulierungsbehorden wie Roskomnadzor einen leistungsstarken Hebel - und sie haben demonstriert, dass sie bereit sind, ihn einzusetzen.

Was kommt als nachstes fur russische Nutzer

Mit der Entfernung der iStories-App aus dem russischen App Store verlieren iPhone-Nutzer ihren bequemsten Zugangspunkt zu den Berichten des Outlets. Die iStories-Website bleibt in Russland ohne Umgehungstools gesperrt. Telegram-Kanale und Mirror-Sites konnen die Lucke teilweise fullen, erfordern aber, dass Nutzer aktiv nach Umgehungslosungen suchen und diese installieren.

Fur Russen, die entschlossen sind, auf unabhangige Medien zuzugreifen, bleibt ein zuverlassiges VPN die umfassendste Losung - aber VPN-Apps selbst werden aggressiv aus russischen App-Stores entfernt. Das Fenster fur den Zugang zu unzensierten Informationen in Russland wird mit jeder weiteren Entfernung enger.

Fazit: Russlands Entfernung der iStories-App aus dem App Store markiert eine neue Phase der Informationszensur - eine, die keine Website oder kein VPN-Protokoll blockieren muss, sondern lediglich Druck auf die zwei Unternehmen ausubt, die die globale mobile Software-Distribution kontrollieren. Solange Apple nachgibt, kann jede App, die russischen Nutzern unzensierte Nachrichten liefert, mit einem einzigen Regierungsschreiben abgeschaltet werden.
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