Deutschland will Kinder unter 13 aus sozialen Netzwerken fernhalten

15.10.2026 4 Min. 8

Das Bundeskabinett will Kinder unter 13 Jahren von sozialen Netzwerken wie TikTok, Instagram und Snapchat fernhalten. Am 14. Oktober hat es Eckpunkte für nationale Übergangsregeln beschlossen: Die Nutzung sozialer Medien durch Unter-13-Jährige soll "grundsätzlich untersagt" werden, Ausnahmen soll es nur für Dienste geben, die nachweislich für Kinder geeignet sind, und für Jugendliche von 13 bis 18 Jahren sind abgestufte Einschränkungen vorgesehen. Ein Gesetz ist das noch nicht. Das Kabinett hat lediglich einen politischen Rahmen verabschiedet, ein Gesetzentwurf muss erst noch ausgearbeitet und von beiden Kammern des Parlaments beschlossen werden.

Was das Kabinett beschlossen hat

Das Papier stammt von Karin Prien (CDU), der Bundesministerin für Bildung und Familie, und baut auf 56 Empfehlungen auf, die eine unabhängige Expertenkommission der Regierung im September übergeben hat. "Die Analyse ist abgeschlossen, jetzt geht es um die Umsetzung", sagte Prien laut Anadolu. Die Regierung begründet die Altersgrenze mit den "tiefgreifenden Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit" von Kindern: Laut dem Papier zeigt heute jedes vierte Kind ein problematisches Nutzungsverhalten, und die Lesekompetenz sinkt.

Die Eckpunkte enthalten vier gesetzgeberische und acht nicht gesetzgeberische Maßnahmen. Neben der Altersgrenze für soziale Netzwerke soll die Aufsichtspflicht der Eltern im Bürgerlichen Gesetzbuch so formuliert werden, dass sie eindeutig auch Online-Dienste umfasst, wobei die Hauptverantwortung laut dem Papier bei den Plattformen bleibt. Grundschulkinder sollen ein "KI-Seepferdchen" erwerben können, ein Zertifikat über Chancen und Risiken künstlicher Intelligenz, benannt nach dem ersten Schwimmabzeichen, das Kinder in Deutschland bekommen. Wie die Einschränkungen für 13- bis 18-Jährige genau aussehen sollen, geht aus den Berichten nicht hervor.

Die Regeln sind als Zwischenlösung gedacht, bis EU-weite Beschränkungen greifen. Die Europäische Kommission hat solche Beschränkungen im September angekündigt: Ab 13 Jahren sollen Jugendliche "Mini-Konten" mit eingeschränktem Funktionsumfang erhalten, die Eltern einrichten und beaufsichtigen und deren Nutzung auf eine Stunde pro Tag begrenzt ist. Laut dpa ähneln die deutschen Pläne diesem Modell. In den EU-Verhandlungen will Berlin eine einheitliche EU-Altersgrenze von 13 Jahren, ein Verbot süchtig machender Gestaltung und standardmäßig abgeschaltete Empfehlungsalgorithmen. Prien rechnet im kommenden Jahr mit einer Einigung auf EU-Ebene, der Zeitplan hängt aber vom Europäischen Parlament und den Mitgliedstaaten ab. Die Niederlande und Spanien haben in Brüssel bereits ein einheitliches Mindestalter gefordert, und zwar für die gesamte Union.

Die offene Frage: Wie wird das Alter geprüft?

Die großen Plattformen legen in ihren Nutzungsbedingungen bereits 13 Jahre als Mindestalter fest, und die Kommission hat wiederholt bemängelt, dass dies kaum durchgesetzt wird. Deutschland kann eigene Regeln dafür aufstellen, wie Kinder soziale Medien nutzen. Verpflichtende Alterskontrollen können den großen Plattformen aber, wie dpa anmerkt, nur von der EU auf Grundlage ihrer Digitalgesetze auferlegt werden.

Das deutsche Papier führt die Altersverifikation unter den nicht gesetzgeberischen Maßnahmen auf und beschreibt sie als freiwillig. Ab 2027 sollen Nutzer ihr Alter mit d-you nachweisen können, der deutschen Variante der europäischen digitalen Identitätsbrieftasche. Laut der Nachrichtenagentur dts, die sich auf Politico beruft, würde die Plattform dabei nur erfahren, ob der Nutzer das Mindestalter erreicht hat, weitere personenbezogene Daten würden nicht weitergegeben. Wie das Verbot für Unter-13-Jährige bis dahin in der Praxis kontrolliert werden soll, erklären die Berichte nicht.

Als Nächstes steht eine Reform des deutschen Jugendschutzgesetzes an, die das Kabinett noch vor Ende 2026 beschließen soll. Danach brauchen Bundestag und Bundesrat laut dpa noch einige Monate. Deutschland reiht sich in eine wachsende Liste von Ländern ein, die Altersgrenzen für soziale Medien einführen; unser Länderüberblick hält sie fest.

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