Griechenland: Ausschüsse billigen Social-Media-Verbot für Kinder unter 15 Jahren

20.10.2026 4 Min. 5

Griechenland ist nur noch eine Abstimmung von einem Social-Media-Verbot für Kinder unter 15 Jahren entfernt. Am Montag, dem 19. Oktober, billigten zwei Parlamentsausschüsse den Gesetzentwurf mit den Stimmen der regierenden Nea Dimokratia, die 158 der 300 Sitze hält. Die Oppositionsparteien behielten sich ihre Haltung vor, die Abstimmung im Plenum ist für den 22. Oktober angesetzt. Wird das Gesetz verabschiedet, gilt das Verbot ab dem 1. Januar 2027. Kontrolliert wird es über die staatliche App Kids Wallet oder andere Werkzeuge zur Altersprüfung.

Wen das Verbot betrifft

Zunächst gilt das Verbot für Facebook, Instagram, TikTok und LinkedIn, weitere soziale Netzwerke sollen nach und nach hinzukommen. Entscheidend ist für das Gesetz, ob ein Dienst wie ein soziales Netzwerk funktioniert, nicht wie er heißt. WhatsApp und Messenger bleiben für Jugendliche nutzbar. Ob Snapchat in dieselbe Kategorie fällt, prüfen derzeit die EU-Behörden, sagte Digitalminister Dimitris Papastergiou. Die Nutzung des Internets im Allgemeinen oder den Besitz eines Smartphones schränkt der Entwurf nicht ein.

Das Alter wird nach dem Geburtsjahr berechnet: Wer im selben Jahr geboren ist, gilt am 1. Januar als 15 Jahre alt. 2027 dürfen Kinder des Jahrgangs 2012 in die Netzwerke, wer 2013 geboren ist, muss bis zum 1. Januar 2028 warten. Eine Zustimmung der Eltern hebt die Grenze nicht auf. Auch bestehende Konten sind nicht ausgenommen: Die Plattformen müssen das Alter der Inhaber bereits in Griechenland eröffneter Konten erneut prüfen, berichten To Vima und ProtoThema.

Wie das Alter geprüft wird

Ein eingetipptes Geburtsdatum reicht künftig nicht mehr aus. Die Plattformen müssen Verfahren einsetzen, die „angemessen, verhältnismäßig und zuverlässig“ sind. Ist sich eine Plattform sicher, dass ein Nutzer unter 15 ist, sperrt sie den Zugang. Kann sie es nicht feststellen, zeigt sie einen QR-Code an, den der Nutzer mit Kids Wallet scannt. Die App übermittelt auf die Frage „über 15?“ nur die Antwort Ja oder Nein. „Kids Wallet gibt nicht einmal ein Geburtsdatum weiter, sondern nur ein Merkmal“, sagte Papastergiou. Auch Gov.gr Wallet und andere Systeme, die EU-Standards erfüllen, können genutzt werden, und niemand muss ein Ausweisdokument hochladen.

Auch Erwachsene sind betroffen. Tech Times berichtet unter Berufung auf AP, dass Erwachsene über Kids Wallet bestätigen müssen, dass sie älter als 15 sind, und diese Prüfung alle sechs Monate wiederholen müssen. In den griechischen Erläuterungen von To Vima und ProtoThema ist von einer regelmäßigen Prüfung für Erwachsene keine Rede. Welche Darstellung zutrifft, wird der endgültige Gesetzestext nach der Abstimmung zeigen.

Strafen und Umgehung

Neue nationale Bußgelder sieht der Entwurf nicht vor, Kinder und Eltern werden nicht bestraft. Plattformen, die sich nicht an die Regeln halten, drohen Konsequenzen nach dem EU-Gesetz über digitale Dienste (DSA), das Minderjährige in Artikel 28 schützt. Beschwerden nimmt die Telekommunikationsbehörde EETT entgegen und leitet sie an die Aufsichtsbehörde des Landes weiter, in dem die Plattform ihren Sitz hat. Für die größten Plattformen ist die Europäische Kommission zuständig. „Die Plattformen haben jetzt einen sehr starken Anreiz, bei der Altersprüfung zu handeln, denn wenn sie es nicht tun, werden sie zahlen“, sagte Gesundheitsminister Adonis Georgiadis.

Die Minister räumen ein, dass ein Kind beim Alter lügen, das Konto einer anderen Person nutzen oder ein VPN einschalten kann, um seinen Standort zu ändern. Laut To Vima bespricht die Regierung mit Technologiekonzernen zusätzliche Kontrollen, darunter Hinweise auf VPN-Nutzung, die Sprache des Geräts und Daten des Mobiltelefons. Regierungsvertreter geben zu, dass kein System jeden Versuch verhindern wird und Kinder auf kleinere Plattformen mit lockereren Regeln ausweichen könnten.

Griechenland und andere Länder

Die Regierung hatte das Vorhaben im April angekündigt, Umfragen zufolge unterstützen es rund 80 Prozent. In Australien gilt bereits ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 Jahren, doch im März 2026 stellte die dortige Aufsichtsbehörde eSafety fest, dass ein „erheblicher Teil“ der Kinder weiterhin Konten hatte oder die Kontrollen umgangen hatte. Wie andere Länder die Altersgrenze festlegen, haben wir in unserer Übersicht nach Ländern zusammengestellt, die wir um Griechenland ergänzt haben.

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