ChatGPT sperrt Konten ohne Vorwarnung, sogar Pro-Abos für 200 Dollar

08.11.2026 5 Min. 6

Nutzer von ChatGPT, darunter Abonnenten des Pro-Tarifs für 200 Dollar im Monat, berichten seit dem 7. November, dass OpenAI ihre Konten ohne Vorwarnung deaktiviert. Beim Anmelden erscheint der Fehler account_deactivated, und mit dem Konto verschwinden Chatverlauf, gespeicherte Erinnerungen und Notizen. Mehrere schreiben, ihr Einspruch sei binnen Minuten abgelehnt worden. Zuerst gesammelt hat die Beschwerden die chinesische Techseite IT之家 (ITHome). Bis zum 8. November hatte OpenAI die Welle weder erklärt noch gesagt, wie viele Konten betroffen sind.

Kurz gesagt

  • Zahlende Nutzer, auch Pro-Abonnenten, melden plötzliche Sperren ohne E-Mail und ohne Vorwarnung.
  • Ein Betroffener vermutet als Grund seine Anmeldungen über VPN-Server in verschiedenen Ländern. Das ist eine Vermutung, belegt ist sie bisher nicht.
  • Laut den Regeln von OpenAI kann der Zugriff aus einem nicht unterstützten Land zur Sperre oder Aussetzung des Kontos führen.

Was Nutzer berichten

Am 7. November schrieb ein Pro-Abonnent im Entwicklerforum von OpenAI, sein Konto sei am selben Tag ohne Warnung und ohne Benachrichtigung deaktiviert worden. Laut ITHome nimmt er an einem OpenAI-Zugangsprogramm für Cybersicherheitsfachleute teil, und die Anmeldung war mit einem physischen Sicherheitsschlüssel geschützt. Er vermutete, die Ursache seien Verbindungen zu ChatGPT und Codex über VPN-Server in verschiedenen Regionen. Das Support-Konto von OpenAI antwortete, Einsprüche gegen Deaktivierungen könne es im öffentlichen Forum nicht bearbeiten, und verwies auf den Link in der Sperr-E-Mail oder das Formular im Hilfecenter. Einen Grund für die Sperre nannte es nicht.

Am selben Tag schrieb ein weiterer Pro-Nutzer auf Reddit, sein Konto sei wegen einer angeblichen Verbindung zu einem früher gesperrten Konto geschlossen worden. Andere Konten habe er nicht gehabt, sagt er, und der Einspruch wurde etwa eine Stunde später abgelehnt. Weitere Nutzer klagten, dass mit dem Konto auch Notizen und Tagebücher weg sind, die sie in ChatGPT geführt hatten.

Am 8. November schrieb im Forum ein Nutzer, der nach eigenen Worten seit etwa vier Jahren für ChatGPT zahlt, sein erster Einspruch sei automatisch binnen Minuten abgelehnt worden, ein zweiter, ausführlicher in etwa einer Minute. „Das ist zu schnell, als dass ihn jemand gelesen haben könnte", schrieb er. Auf jede Nachricht an den Support komme seither sofort eine automatische Antwort, die ihn zum bereits geschlossenen Einspruch zurückschickt. „Ohne einen Weg zu einem Menschen ist das ein geschlossener Kreis ohne Ausweg."

Was die Regeln von OpenAI sagen

Wie Kod.ru und ITHome unter Berufung auf das Hilfecenter schreiben, kann ein Konto wegen Verstößen gegen die Nutzungsrichtlinien, Umgehung von Sicherheits- oder Zugangsbeschränkungen, Weitergabe von Konto oder API-Schlüsseln, verdächtiger Aktivität oder nicht bestandener Identitätsprüfung deaktiviert werden. In einem eigenen Hilfeartikel heißt es, der Zugriff auf ChatGPT oder die OpenAI-API aus einem nicht unterstützten Land „kann dazu führen, dass Ihr Konto gesperrt oder ausgesetzt wird". Russland, China und Hongkong fehlen auf der Liste der unterstützten Länder. Auch eine Zahlungsmethode aus einem nicht unterstützten Land führt zur Sperre.

Ein VPN allein bedeutet noch keinen Regelverstoß: Wer in einem unterstützten Land lebt, nutzt es vielleicht einfach für mehr Privatsphäre. ITHome betont, dass es keinen Beleg gibt, dass die Nutzer deshalb gesperrt wurden, und auch keinen dafür, dass alle Fälle zu einer einzigen Aktion gehören. Ob manche Sperren Fehler sind, ist ebenfalls offen.

Nicht die erste Welle

Kod.ru erinnert an eine ähnliche Welle von Beschwerden im Forum Ende Juni, die ebenfalls Pro-Abonnenten traf. Eine Woche später schrieb einer der Betroffenen, sein Konto sei mit einer Entschuldigung für die irrtümliche Sperre wiederhergestellt worden, das Abo aber auf den kostenlosen Tarif zurückgesetzt. Auch Nutzer von Claude klagen: Laut Kod.ru sperrte Anthropic im Oktober Konten von Nutzern aus Russland und Hongkong, die per VPN auf den Dienst zugriffen, und nannte die Entscheidung über Einsprüche „endgültig".

So gehen Ihre Daten nicht verloren

Ein deaktiviertes Konto nimmt alles mit, was darin gespeichert war, deshalb lohnt sich eine Kopie vorab. In den Tarifen Free, Go, Plus und Pro lässt sich ein Datenexport in den ChatGPT-Einstellungen anfordern, und OpenAI weist darauf hin, dass er ohne Anmeldung nicht verfügbar ist. Das Hilfecenter nennt zusätzlich eine Anfrage über das Privacy Portal von OpenAI, sagt aber nicht, ob sie für ein deaktiviertes Konto funktioniert. Wichtige Notizen und Dokumente sind auch außerhalb des Chats sicherer aufgehoben. Ist ein Konto gesperrt, läuft der Einspruch über den Link in der E-Mail von OpenAI oder das Formular im Hilfecenter, das Forum bearbeitet keine Einsprüche. Mehr zum sicheren Umgang mit KI-Assistenten steht in unserem Praxisleitfaden.

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