Ein bundesweiter Gesetzentwurf zur Altersverifikation steht im US-Senat vor seiner ersten echten Bewährungsprobe, und es ist der erste, der Proxy-Verkehr direkt in den Gesetzestext schreibt. Der SCREEN Act, Vorlage S.737, ist für eine Sitzung des Handelsausschusses des Senats am 5. August 2026 angesetzt. Sein Text verpflichtet erfasste Plattformen zu identitätsgebundenen Alterskontrollen und nennt IP-Adressen, einschliesslich Adressen von Proxy-Netzen, als etwas, das diese Kontrollen erfassen müssen.
Was der SCREEN Act tatsächlich verlangt
Eingebracht wurde die Vorlage am 26. Februar 2025 von Senator Mike Lee zusammen mit den Senatoren Curtis und Banks und an den Ausschuss für Handel, Wissenschaft und Verkehr überwiesen. Ein Jahr nach Inkrafttreten müsste eine erfasste Plattform eine technische Verifikationsmassnahme einsetzen, die feststellt, ob ein Nutzer minderjährig ist, und Minderjährigen den Zugang zu als jugendgefährdend eingestuften Inhalten sperrt. Den bequemen Ausweg schliesst der Entwurf ausdrücklich: Von einem Nutzer lediglich die Bestätigung zu verlangen, nicht minderjährig zu sein, genügt nicht. Ein Häkchen ist keine Erfüllung. Plattformen müssten zudem das eingesetzte Prüfverfahren veröffentlichen, und die Federal Trade Commission führt regelmässige Audits durch und erlässt binnen 180 Tagen Leitlinien.
Die VPN-Klausel im Wortlaut
Für die Leser dieser Seite zählt Absatz (4) der Prüfpflichten. Erfasste Plattformen müssen:
"Subject the Internet Protocol (IP) addresses, including known virtual proxy network IP addresses, of all users of a covered platform to the technology verification measure described in paragraph (1) unless the covered platform determines based on available technology that a user is not located within the United States."
Zwei Dinge fallen auf. Erstens die Richtung der Grundregel: Geprüft wird jeder, sofern die Plattform nicht feststellen kann, dass der Nutzer sich ausserhalb der Vereinigten Staaten befindet. Eine unklare Verbindung wird damit nicht zur Ausnahme, sondern zum Prüffall. Zweitens die Formulierung. Im Text steht "virtual proxy network", nicht der übliche Begriff virtual private network. Die Electronic Frontier Foundation liest die Klausel als Pflicht zur Altersprüfung bei Verkehr von bekannten VPN-Adressen, und praktisch trifft das zu, doch der Begriff ist juristisch nicht eingeführt, und wer ihn befolgen will, rät an den Rändern.
Warum das weit über Erwachsenenseiten hinausgeht
Eine erfasste Plattform ist jeder interaktive Computerdienst, der im gewöhnlichen Geschäftsbetrieb Inhalte erstellt, hostet oder bereitstellt, die der Definition des Entwurfs von jugendgefährdend entsprechen, mit dem Ziel, Gewinn zu erzielen. Die Definition ergänzt, dass dies unabhängig davon gilt, ob damit tatsächlich Gewinn erzielt wird und ob solche Inhalte die einzige Einnahmequelle oder das Hauptgeschäft sind. In dieser letzten Klausel steckt der ganze Streit. Die EFF benennt die praktische Folge: Neben spezialisierten Angeboten fallen auch Massendienste mit vereinzelten Erwachseneninhalten in den Perimeter, genannt werden Netflix, Reddit, Discord und Bluesky.
Das Datenproblem, das der Entwurf nicht löst
Altersverifikation erzeugt einen Berg von Identitätsdaten, und die Schutzvorkehrungen sind dünn. Plattformen müssen "angemessene" Datensicherheit gewährleisten und Prüfdaten nicht länger als vernünftigerweise nötig aufbewahren, ohne feste Obergrenze und ohne belastbare Grenzen für das, was erhoben werden darf. Dritte dürfen die Prüfung übernehmen, die Haftung bleibt bei der Plattform. Eine Auslegungsregel stellt klar, dass nichts die Plattformen zwingt, nutzeridentifizierende Daten an die FTC zu geben. Das ist eine echte Schranke für die Behörde und keine für die Dienstleister, bei denen am Ende Führerscheinscans liegen. Der Einwand der EFF ist derselbe wie bei jedem dieser Gesetze: Millionen Erwachsene geben ihre Anonymität für den Zugang zu legaler Rede auf, und die entstehenden Datenbanken werden zur nächsten Schlagzeile über ein Leck.
Der Stand und die nächsten Schritte
Die Sitzung am 5. August ist ein Markup, keine Abstimmung im Plenum. Eine Zustimmung des Ausschusses schickt die Vorlage lediglich ins Plenum, ist aber das erste belastbare Signal, ob der SCREEN Act genug Stimmen hat. Das alles trifft auf einen Flickenteppich aus Landesgesetzen, der bereits Rückschläge produziert: Wir berichteten vor wenigen Tagen, wie der Betreiber von Pornhub die Aufhebung des Altersverifikationsgesetzes in Virginia fordert, und zuvor, wie New York Alterskontrollen für soziale Medien beschloss. Jeder Bundesstaat, der ein solches Gesetz aktiviert hat, erzeugte dieselbe messbare Reaktion, einen Sprung bei VPN-Anmeldungen binnen Tagen. Genau dieses Verhalten scheint Absatz (4) vorwegnehmen zu wollen.