Vietnam klagt sieben mutmaßliche Betreiber der Anime-Piraterieseite HiAnime an

30.10.2026 5 Min. 6

Die Oberste Volksstaatsanwaltschaft Vietnams hat gegen sieben Personen Anklage erhoben, die HiAnime betrieben haben sollen. Die Anime-Piraterieseite kam auf mehr als 150 Millionen Besuche im Monat. Verhandelt wird vor dem Volksgericht Hanoi. Laut Anklage verdiente die Gruppe 12,85 Millionen USDT, ein an den Dollar gekoppelter Stablecoin im Wert von rund 12,85 Millionen Dollar, mit Pop-up-Werbung des Werbenetzwerks PropellerAds. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest.

150 Mio.+Besuche pro Monat bei HiAnime vor der Schließung
33.500Serien und Animes kopiert, laut Staatsanwaltschaft
12,85 Mio. $Werbeeinnahmen, ausgezahlt in USDT

Wer angeklagt ist

Über den Fall berichteten Bảo vệ pháp luật, die Zeitung der Staatsanwaltschaft, und TorrentFreak. Den vier mutmaßlichen Drahtziehern Nguyễn Đình Minh Khoa, Nguyễn Trung Anh, Nguyễn Hoàng Thanh und Nguyễn Đình Xuân werden Urheberrechtsverletzung und Geldwäsche vorgeworfen. Drei weitere sind nur wegen Urheberrechtsverletzung angeklagt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft haben die Angeklagten gestanden. Angestellte, die Filme kopierten, wurden nicht angeklagt: Die Ermittler kamen zu dem Schluss, dass sie den Urheberrechtsstatus der Filme nicht vollständig verstanden.

Laut Anklageschrift hatte Khoa die Idee Anfang 2019. Er kaufte über Namecheap mehr als 100 Domains und kümmerte sich um die Suchmaschinenoptimierung. Trung Anh betrieb die Server, Xuân programmierte die Seiten und ihr Content-System, Thanh gestaltete sie und verteilte die Gewinne. Zwischen Mitte 2019 und März 2026 soll das Netzwerk 26.000 Serien und 7.500 Animes angeboten haben, unter der Marke HiAnime, früher Zoro.to und Aniwatch, sowie auf Sflix/Myflixerz und 9animetv.

Auslöser war eine Beschwerde, die am 7. Mai die Kanzlei Rouse einreichte, die in Vietnam die Motion Picture Association (MPA) vertritt. Die Polizei gab die Anklagen im Juli bekannt und stützte sich nach eigenen Angaben auf Hinweise der US-Behörde Homeland Security Investigations und der Anti-Piraterie-Allianz ACE der MPA. HiAnime selbst war bereits im März mit einer kurzen Abschiedsnachricht vom Netz gegangen.

Wohin das Geld floss

Laut Staatsanwaltschaft verhandelte Khoa über Skype und Telegram mit PropellerAds und baute dessen Werbecode in die Seiten ein, sodass sich beim Start eines Films Pop-up-Fenster öffneten. Das Netzwerk zahlte nach Traffic, in USDT. Khoa erhielt ab 2020 2,5 Millionen USDT, Thanh ab September 2023 10,35 Millionen USDT auf Wallets bei Binance. Jeder der vier Drahtzieher verdiente nach Abzug der Kosten mindestens 50 Milliarden Dong, etwa 2 Millionen Dollar. Allein die Server kosteten rund 70.000 USDT im Monat.

Der Geldwäschevorwurf betrifft das, was danach geschah. Die Angeklagten sollen die USDT über mehrere Wallets geschoben, gegen Dong verkauft und für Häuser und Autos ausgegeben haben: einen Porsche Panamera, einen Mercedes G63, einen Land Rover, einen Ford Mustang und mehr. Im Februar 2026 ließen zwei von ihnen ihre Autos aus Angst vor Entdeckung auf Verwandte umschreiben. PropellerAds weist die Vorwürfe der MPA, Piraterie zu finanzieren, seit Langem zurück. Ob das Unternehmen von HiAnime wusste, ist nicht bekannt.

Die Anklage nennt auch die Infrastruktur der Gruppe: Server bei Evoluso bis 2022 und bei OVH sowie Speicher bei Cloudflare von 2023 bis März 2026. Die MPA hatte schon 2024 und 2025 versucht, die Betreiber von HiAnime über gerichtliche Auskunftsersuchen an Cloudflare in den USA zu ermitteln.

Ein Testfall für Vietnam

Der Prozess hat Bedeutung über eine einzelne Seite hinaus. Im Mai stufte der US-Handelsbeauftragte Vietnam als „Priority Foreign Country“ ein, weil das Land Piraterie nicht wirksam abschrecke. Damit begann eine Untersuchung nach Section 301, an deren Ende Zölle stehen können. Vietnam berief sich in seiner Verteidigung auf das HiAnime-Verfahren. Washington beklagt, dass frühere Fälle glimpflich ausgingen: Zwei Betreiber von Fmovies, einst das größte Piraterie-Streamingnetz, erhielten Bewährungsstrafen. Das Gericht in Hanoi wird zeigen, ob sich das ändert.

Für Zuschauer zeigt der Fall, wie sich solche Seiten finanzieren: HiAnime war kostenlos, weil jeder Besuch ein Werbenetzwerk fütterte. Werbung auf illegalen Streamingseiten hat schon öfter Schadsoftware verbreitet. Im März 2025 beschrieb Microsoft eine Kampagne, die auf illegalen Streamingseiten begann und fast eine Million Geräte mit Programmen zum Passwortdiebstahl infizierte. Weder Microsoft noch die vietnamesische Anklage bringen diese Kampagne mit HiAnime oder PropellerAds in Verbindung. Wenn große Piraterieseiten schließen, wie zuletzt Streamed, entsteht zudem Platz für Nachahmerseiten, und auch gegen diese hat die MPA US-Behörden um Maßnahmen gebeten.

Fazit: Vietnam stellt die mutmaßlichen Betreiber einer der größten Piraterieseiten aller Zeiten vor Gericht und legt detailliert offen, wie 12,85 Millionen Dollar Werbegeld zu Autos und Immobilien wurden. Die Urteile werden zeigen, ob das Land dem Druck der USA mit echten Haftstrafen statt Bewährung begegnet.

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