Hacker kapern Warn-Apps der Ukraine und Russlands für falsche Atomwarnungen
Hacker haben am 1. und 2. November binnen weniger Stunden die offiziellen Warn-Apps der Ukraine und Russlands übernommen und darüber falsche Warnungen vor Strahlung, Chemieangriffen und Atomschlägen verschickt. In der Ukraine traf es die App „Luftalarm“ (Powitrjana Tryvoha), über die Menschen erfahren, wann sie in den Schutzraum müssen. In Russland war es die App des Katastrophenschutzministeriums. Beide Seiten erklären, Sirenen und die wichtigsten Warnsysteme hätten normal funktioniert. Einen Zusammenhang zwischen beiden Angriffen hat niemand belegt.
Ukraine: Strahlung, Chemikalien und Straßenkämpfe in Kiew
Am Sonntagabend bekamen Nutzer in Kiew Push-Meldungen wie „In Kiew gilt Strahlungsalarm. Gehen Sie nicht nach draußen!“ und „In Kiew gilt Alarm wegen eines Chemieangriffs. Gehen Sie nicht nach draußen!“, berichtete Fox News. Andere Meldungen warnten vor Straßenkämpfen in der Hauptstadt und, auf Russisch, vor einer Atombedrohung durch die Rakete Oreschnik. Die Online-Karte der App zeigte Kiew und weitere Regionen unter Atomalarm.
Die ukrainische Luftwaffe schrieb auf Telegram, die App sei „offenbar feindlicher Einflussnahme ausgesetzt“, eine Strahlungsgefahr bestehe nicht. Ihr Sprecher Jurij Ihnat sagte, Russen hätten die App in der Nacht angegriffen, die Verteidigungskräfte seien nicht betroffen, meldet RBC-Ukraine. Die App gehöre nicht der Luftwaffe und sei nur ein zusätzlicher Warnkanal. Eine russische Hackergruppe namens Hitcore bekannte sich zu dem Angriff: Sie sei eingedrungen, indem sie einem Administrator eine Schaddatei als angebliches Nacktfoto geschickt habe. Diese Darstellung stammt nur von den Hackern selbst und wurde von Lenta.ru wiedergegeben. Ukrainische Stellen haben nicht bestätigt, wie die Angreifer Zugang bekamen.
Das App-Team bestätigte einen „unbefugten Eingriff“, schaltete die Push-Meldungen ab und setzte den Dienst aus, schreibt Ukrajinska Prawda. Die App speichere keine persönlichen Daten, daher seien keine Nutzerdaten abgeflossen. Nutzer sollten keine Links in verdächtigen Meldungen öffnen. Gegen 2 Uhr nachts liefen Alarme und Karte teilweise wieder, die Anzeige anfliegender Ziele blieb abgeschaltet.
Russland: falsche Meldungen über Atomstart in 33 Regionen
Wenige Stunden später, in der Nacht zum 2. November, teilte das russische Katastrophenschutzministerium mit, seine App sei einem „massiven Cyberangriff“ ausgesetzt gewesen, über den Angreifer Falschinformationen an die Bevölkerung verschickt hätten, meldet Interfax. Gegen 2:45 Uhr Moskauer Zeit erschienen Meldungen über einen angeblichen Start von Atomsprengköpfen auf Russland gleichzeitig in der App und in Telegram-Kanälen des Ministeriums und regionaler Krisenstäbe, schrieb Lenta.ru unter Berufung auf den Telegram-Kanal „Ostoroschno, Nowosti“.
Später erklärte das Ministerium, Nutzer in 33 Regionen hätten eine falsche Meldung erhalten. Man habe den Vorfall beim Eintreffen der ersten Meldungen bemerkt, die Dienste vom Netz getrennt und isoliert und werde die App bis zum Ende des Tages vollständig wiederherstellen, so Interfax. Sirenen, SMS-Warnungen sowie Fernsehen und Radio seien nicht betroffen gewesen. Wer hinter dem Angriff steckt, sagte das Ministerium nicht.
Wie man echten Alarm von falschem unterscheidet
Eine gehackte offizielle App ist schwerer zu erkennen als eine Phishing-SMS: Die Warnung kommt aus einer App, der man vertraut, mit dem gewohnten Ton und Design. Das ukrainische Digitalministerium erinnerte nach dem Vorfall an Ersatzkanäle, berichtet Ukrajinska Prawda. Die Ratschläge gelten in jedem Land:
- Eingebaute Notfallwarnungen des Telefons einschalten: auf dem iPhone unter Einstellungen, Mitteilungen, ganz unten „Behördliche Warnungen“. Auf Android in der Suche der Einstellungen nach „Notfallbenachrichtigungen“ oder „Notfallwarnungen“ suchen, der Name hängt vom Hersteller ab. Diese Warnungen kommen über das Mobilfunknetz, nicht über eine App, und ertönen auch im Lautlos-Modus.
- Mit einer zweiten offiziellen Quelle abgleichen: Sirenen, Kanäle der Luftwaffe oder des Zivilschutzes, örtliche Behörden. Eine echte Atom- oder Chemiewarnung erscheint nicht nur in einer einzigen App.
- Keine Links in Warnungen antippen: Echte Warnungen sagen, was zu tun ist. Sie verlangen nicht, eine Website zu öffnen, etwas zu installieren oder Daten einzugeben.
- Mehr als eine Warn-App nutzen: In Kiew zeigte die App „Kyjiw Zyfrowyj“ die Alarme normal an, während „Luftalarm“ ausgefallen war.
• Застосунок «Повітряна тривога» зламали - Українська правда
• Застосунок «Повітряна тривога» тимчасово відключено після ймовірного зламу - Українська правда
• Додаток «Повітряна тривога» зламали: чи є загроза для Сил оборони - РБК-Україна
• Ukraine says air alert system hacked after false radiation warning in Kyiv - Fox News
• Мобильное приложение МЧС РФ подверглось кибератаке - Интерфакс
• В ходе кибератаки на мобильное приложение МЧС 33 региона получили ложное сообщение - Интерфакс
• В МЧС сообщили о кибератаке на приложение и рассылке фейковой информации - Lenta.ru