Australien: Hacker verkauft Patientendokumente der größten Krebsgruppe des Landes

13.10.2026 3 Min. 6

Die Icon Oncology Group, die Australiens größtes Netz von Krebszentren betreibt, hat am 12. Oktober bestätigt, dass sich jemand unbefugt Zugang zu Patientendaten verschafft hat. Die Daten stammen nicht aus Icons eigenen Systemen, sondern aus denen eines Dienstleisters. Etwa zwei Tage vor der Mitteilung bot ein Hacker unter dem Namen „2019“ die Dokumente in einem bekannten Hackerforum zum Verkauf an, wie Cyber Daily berichtet, das als Erstes über den Vorfall informierte.

Was der Hacker verkauft

Der Verkäufer behauptet, mehr als 31.000 „sensible und vertrauliche Dokumente“ zu besitzen, die Namen, Adressen, Diagnosen und Medicare-Daten von Patienten enthalten. Medicare ist die staatliche Krankenversicherung Australiens. Die Daten werden als „einmaliges Angebot in Kryptowährung“ ohne Preisangabe feilgeboten. Als Beweis stellte der Hacker Beispieldateien ein, die offenbar vom Dienstleister von Icon stammen, darunter Angaben zu beratenden und behandelnden Ärzten sowie Patientenkorrespondenz. Die Zahl von 31.000 und die Liste der Datentypen stammen vom Verkäufer und sind nicht unabhängig bestätigt.

Icon hat den Dienstleister nicht genannt. Das Unternehmen erklärt, es habe eine Kopie der betroffenen Unterlagen erhalten und gehe davon aus, dass sie „keine vollständigen Patientenakten“ enthalten, sondern „einzelne Dokumente im Zusammenhang mit Korrespondenz“ für sein Geschäft. Derzeit wird geklärt, welche Patienten betroffen sind und welche Informationen jedes Dokument enthält.

Was Icon unternommen hat

Laut der Mitteilung hat Icon seinen Notfallplan für Sicherheitsvorfälle aktiviert, den Zugang zum betroffenen System zurückgesetzt, Berater für Cybersicherheit und Forensik hinzugezogen sowie die australische Bundespolizei und die zuständigen Aufsichtsbehörden informiert. Die eigenen Systeme seien sicher, und die Versorgung und Behandlung der Patienten seien nicht beeinträchtigt. Bislang scheinen nur australische Patienten betroffen zu sein, obwohl die Gruppe auch in Singapur, Malaysia, Indonesien, Neuseeland, Großbritannien und Deutschland tätig ist. Icon will die betroffenen Patienten und ihre behandelnden Ärzte direkt kontaktieren.

Icon bezeichnet sich als Australiens größten spezialisierten Anbieter von Krebsbehandlung, mit mehr als 40 Zentren in jedem australischen Bundesstaat und Territorium. Zur Gruppe gehört auch Slade Health, das Cyber Daily als Australiens größten Hersteller von Chemotherapie-Zubereitungen bezeichnet.

Wer „2019“ ist

Das Forenprofil des Verkäufers ist seit Januar 2026 aktiv und enthält rund 45 Beiträge, meist über Datenpannen und Leaks, mit Schwerpunkt auf australischen Organisationen. Zu den früher genannten Opfern zählen BestPriceTravel Australia, Court Services Victoria und die Krisen-Hotline Lifeline Australia.

Warum medizinische Daten mehr wert sind

Ein gestohlenes Passwort lässt sich ändern und eine Bankkarte neu ausstellen, eine Krebsdiagnose dagegen nicht. Dokumente, die einen Namen und eine Wohnadresse mit einer Diagnose verknüpfen, taugen für Erpressung und für Betrugsmaschen, die überzeugend klingen, weil sie echte Details nennen. In diesem Fall standen die Dokumente schon zum Verkauf, bevor Icon sich äußerte, und die Patienten erfahren erst nach der Auswertung durch das Unternehmen, ob sie betroffen sind. Pannen bei Dienstleistern sind ein häufiges Muster: Im vergangenen Monat verhängte Schweden eine Geldbuße gegen einen IT-Dienstleister, dessen Datenleck Angaben zu jedem fünften Einwohner des Landes offenlegte.

Wenn Sie in einem Icon-Zentrum behandelt wurden:

  • Rechnen Sie mit Anrufen, SMS und E-Mails, die Ihre Behandlung, Ihren Arzt oder Medicare erwähnen. Icon will die Patienten direkt kontaktieren, prüfen Sie solche Nachrichten also über die Kontaktdaten auf der Website von Icon selbst und nicht über die Angaben in der Nachricht.
  • Zahlen Sie nichts an jemanden, der droht, Ihre medizinischen Daten zu veröffentlichen, und melden Sie solche Nachrichten der Polizei.
  • Seien Sie vorsichtig bei Aufforderungen, Ihre Medicare-Nummer oder Bankdaten zu „bestätigen“, selbst wenn der Anrufer Ihre Diagnose schon kennt.

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