Ihr Router arbeitet vielleicht für Fremde: woran Sie es merken und was zu tun ist
Ein Botnetz namens Dysphoria wächst den ganzen Monat, und es lebt genau auf den Geräten, die bei den Leuten zu Hause stehen: Router, Internet-Gateways und IP-Kameras. Die Shadowserver Foundation zählte in ihrem Bericht vom 12. August rund 296.000 befallene Geräte, nach 200.000 zu Monatsbeginn. Aufmerksamkeit verdient die Sache nicht wegen der Größe, sondern wegen des zweiten Jobs, den diese Kästen jetzt erledigen. Neben der Teilnahme an Angriffen werden sie als Wohn-Proxys vermietet: Fremde surfen über Ihre häusliche Adresse, während Sie neben dem Gerät sitzen.
Woran Sie es ohne Spezialwerkzeug merken
Ein Fremder auf Ihrer Adresse hinterlässt Spuren, die man vom Sofa aus sieht. Webseiten verlangen mehrmals täglich den Nachweis, dass Sie kein Roboter sind. Google zeigt die Seite über "ungewöhnlichen Datenverkehr aus Ihrem Netzwerk". Ein Shop oder eine Bank verweigert die Anmeldung aus dem Heimnetz, und Dienste verorten Sie in einem Land, in dem Sie nie waren. Der Upload kriecht bei normalem Download, weil Ihre Leitung fremden Verkehr nach außen trägt. Der Router wird heiß oder startet von selbst neu, und seine Oberfläche lädt langsam oder verlangt ein Passwort, das Sie nie gesetzt haben.
Keines dieser Zeichen beweist für sich eine Infektion, für jedes gibt es auch eine langweilige Erklärung. Aber zwei oder drei gleichzeitig, auf einem Gerät, das seit Jahren kein Update gesehen hat, sind Grund genug, heute Abend zwanzig Minuten zu investieren.
Was heute Abend zu tun ist
- Öffnen Sie die Verwaltungsseite des Routers und ändern Sie das Administratorpasswort. Nicht das WLAN-Passwort, sondern das des Geräts selbst. Werkspasswörter und mehrfach benutzte Passwörter sind der Hauptweg, auf dem solche Geräte übernommen werden, und das Schließen kostet nichts.
- Schalten Sie die Fernverwaltung ab. In den Einstellungen heißt sie Fernzugriff, Verwaltung über WAN oder Cloud-Verwaltung. Wenn Sie Ihren Heimrouter nicht aus dem Café administrieren, soll ihn von außen niemand erreichen.
- Deaktivieren Sie Telnet und SSH, falls aktiv. Auf Heimgeräten braucht man sie fast nie, und das Raten von Passwörtern gegen sie ist genau der Verbreitungsweg dieses Botnetzes.
- Spielen Sie die Firmware-Aktualisierung ein. Bei den meisten Routern ist das ein Knopf in der Oberfläche. Hat der Hersteller zwei, drei Jahre nichts veröffentlicht, gilt das Gerät als abgelaufen und nicht als zuverlässig.
- Sehen Sie sich Portweiterleitungen und UPnP-Einträge an. Alles, was Sie nicht selbst angelegt haben, löschen Sie. Braucht nichts im Haus einen eingehenden Port, schalten Sie UPnP ganz ab.
- Prüfen Sie die Liste der verbundenen Geräte. Namen, die Sie nicht zuordnen können, lohnen sich zu klären; auf vielen Routern sperrt man ein Gerät mit einem Klick, bis Sie wissen, was es ist.
- Passen mehrere der Zeichen oben, setzen Sie das Gerät auf Werkszustand zurück und richten es neu ein. Das ist eine halbe Stunde Arbeit und entfernt alles, was in der Konfiguration saß.
Zwei Dinge, die nicht helfen. Ein Neustart entfernt manche Schädlinge, die nur im Speicher leben, aber er ändert nichts an einem schwachen Passwort oder einem offenen Verwaltungsport, also ist das Gerät binnen Stunden wieder übernommen. Und eine VPN-App auf dem Laptop schützt den Verkehr dieses Laptops; den Router berührt sie gar nicht, denn der ist ein eigener Rechner mit eigener Software und eigenem Zugang.
Kameras und smarte Geräte sind die schwierigere Hälfte
Eine Kamera ist ein kleiner Linux-Rechner mit Netzanschluss und bekommt weit weniger Aufmerksamkeit als ein Telefon. Die Regeln sind einfacher als beim Router. Geben Sie einer Kamera keinen direkten Port aus dem Internet; brauchen Sie Fernzugriff, nutzen Sie die App des Herstellers statt eines offenen Ports. Ändern Sie das Werkspasswort am Gerät selbst, nicht nur in der App. Stecken Sie Kameras, Steckdosen, Fernseher und Staubsauger in ein Gastnetz, damit ein Gerät mit aufgegebener Firmware weder Laptop noch Sicherungen noch Drucker sieht.
Und seien Sie beim Alter ehrlich. Eine Kamera, die 2020 die letzten Updates bekam, wird durch Einstellungen nicht sicher. Ist der Hersteller weg, hilft nur der Austausch, und günstige aktuelle Hardware schlägt teure aufgegebene.
Warum überhaupt jemand Ihren Router will
Weil Ihre Adresse gewöhnlich aussieht. Verkehr aus einem Rechenzentrum erkennt und verweigert jeder Dienst mühelos, Verkehr aus einem Wohngebiet nicht. Deshalb wird Zugang zu gekaperten Heimgeräten stundenweise verkauft, und deshalb landet der Ärger bei Ihnen: Beschwerden, Sperren und Verdacht hängen an der Adresse, nicht an dem, der für den Proxy zahlt. Das Gerät, das Ihnen der Anbieter vor Jahren gab und das Sie nie wieder anfassten, eignet sich dafür perfekt, und die Eintrittskarte ist meist ein nie geändertes Passwort.
Das alles ist kein Sicherheitsprojekt. Es ist eine Liste für einen Abend, und anders als die meisten Sicherheitsratschläge endet sie messbar: Die Zahl der Wege in Ihr Heimnetz sinkt von mehreren auf fast null und bleibt so bis zum nächsten Gerätekauf.