Hacker kapern in Russland Konten von Li-Auto-Besitzern und erpressen Lösegeld

03.11.2026 4 Min. 6

Besitzer von Li-Auto-Crossovern in Russland verlieren die Kontrolle über ihre Autos: Hacker stehlen das „Master-Konto“, an das das Fahrzeug gebunden ist, und verlangen dann Geld für die Rückgabe. In der jüngsten Welle sind mindestens 20 Besitzer betroffen, sagt Alexander Rasskasow, Mitgründer des Lixiang-Besitzerclubs für Russland und die GUS, berichtete CNews am 3. November. Einige Autos springen nicht mehr an. Sinomach Auto, der offizielle Li-Auto-Importeur in Russland, hat den Diebstahl der Konten bestätigt.

Was mit dem Auto passiert

Bei Li Auto funktioniert das Master-Konto wie ein digitaler Schlüssel: Es ist das Hauptprofil des Besitzers in der Marken-App, und die meisten Funktionen des Autos hängen daran. Nach der Übernahme gehen die Bildschirme aus, die Klimaanlage funktioniert nicht mehr und der Bluetooth-Schlüssel reagiert nicht. Manche Autos starten gar nicht mehr. Ein Besitzer konnte mit dem physischen Schlüssel losfahren, danach erschien auf dem Bildschirm eine Meldung auf Chinesisch, das Fahrzeug zu „aktivieren“. In anderen Fällen verschwindet das Auto einfach aus dem Profil.

Dann folgt die Lösegeldforderung. Für die Rückgabe des Kontos verlangen die Täter 35.000 bis 45.000 Rubel. In der ersten Welle im Sommer 2025 waren es 200.000 bis 250.000 Rubel. Rasskasow nennt die neue Kampagne ein „Fließband“, das auf Masse ausgelegt ist und nicht auf einzelne Erpressungen, zitiert ihn Habr. Einige Opfer haben bereits Unterlagen an Li Auto in China geschickt, Zugang hat bisher aber niemand zurückbekommen.

Wie die Konten gestohlen werden

Li-Auto-Konten sind an chinesische Telefonnummern gebunden. Viele russische Besitzer halten solche Nummern über den Dienst eSender. In der ersten Welle übernahmen Angreifer Konten, die an abgelaufene Nummern gebunden waren. Damals lautete der Rat, die eSender-Nummer bezahlt zu halten, doch jetzt werden auch Konten mit bezahlten Nummern gestohlen, und laut Rasskasow „läuft alles über die regulären Funktionen von Li Auto“. Es handelt sich also um eine Kontoübernahme, nicht um einen Hack des Bordcomputers: Die Angreifer nutzen dieselben Kontofunktionen wie der Besitzer.

Wie genau sie hineinkommen, ist unbekannt. Rasskasow sieht drei mögliche Wege: das Erraten von Passwörtern, den Diebstahl von Besitzerdaten in China und Besitzer, die selbst Logins und Codes an inoffizielle Werkstätten weitergeben, die Apps installieren, die Oberfläche übersetzen oder das Auto neu flashen. Er vermutet, dass die Täter ihre Opfer über Fahrgestellnummern in geleakten Versicherungsdatenbanken finden.

Was Li Auto verspricht

Nach Angaben von Sinomach Auto kümmern sich chinesische Fachleute um die Beschwerden, und Li Auto entwickelt mit dem Importeur einen Schutz für die Konten und ein Verfahren zur Prüfung rechtmäßiger Besitzer. „Es wird an einem Verfahren zur ‚Migration‘ von Konten von chinesischen Telefonnummern auf E-Mail-Adressen gearbeitet“, so das Unternehmen. Bei Autos des Modelljahres 2026 gebe es diese Anmeldung bereits. Die Lösung soll sowohl für offiziell gelieferte Autos als auch für Parallelimporte gelten, schreibt Anti-Malware.ru. Einen Termin gibt es nicht.

Was Besitzer tun können

  • Prüfen, an welche Telefonnummer das Master-Konto gebunden ist, und das eSender-Passwort ändern.
  • SMS-Codes und Konto-Logins an niemanden weitergeben, auch nicht an Werkstätten, die Übersetzung oder Neu-Flashen anbieten.
  • Den physischen Schlüssel dabeihaben: In mindestens einem Fall konnte der Besitzer damit trotz gekapertem Konto fahren.
  • Auf ungewöhnliches Verhalten der App achten, etwa unerwartete Abmeldungen oder neue Geräte, und sich sofort an den Händler wenden.
  • Wenn das Konto schon weg ist, nicht zahlen: Rasskasow rät, zur Polizei zu gehen, und eine Zahlung garantiert keine Rückgabe des Zugangs.

Das Problem betrifft nicht nur eine Marke. Wird ein Auto über die Cloud des Herstellers gesteuert, kann ein einziger gestohlener Login es lahmlegen, und der Besitzer ist auf einen Support angewiesen, der womöglich in einem anderen Land sitzt. Vor dem Kauf eines solchen Autos lohnt die Frage, wie das Konto wiederhergestellt wird und was ohne es noch funktioniert.

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