Hacker dringen in das Parlamentspostfach der italienischen Premierministerin Meloni ein

28.10.2026 3 Min. 6

In der Nacht zum 27. Oktober sind Angreifer in das E-Mail-System der italienischen Abgeordnetenkammer eingedrungen und haben Zugang zu drei Postfächern von Abgeordneten erlangt, darunter das Parlamentspostfach von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Die beiden anderen gehören Andrea Delmastro von den Fratelli d'Italia, früher Staatssekretär im Justizministerium, und Paolo Formentini von der Lega. Laut Il Giornale bestätigte die Leitung der Kammer den Einbruch gegenüber dem Corriere della Sera. Melonis Amt erklärt, sie nutze dieses Konto nicht für Regierungskorrespondenz.

Wie die Abgeordnetenkammer reagierte

Die Kammer erklärte, sie habe gemeinsam mit der Nationalen Agentur für Cybersicherheit (ACN) alle Schutzmaßnahmen ergriffen, auf Grundlage eines in dieser Legislaturperiode unterzeichneten Protokolls, und einige IT-Funktionen könnten vorübergehend abgeschaltet werden. Laut ANSA isolierten die Techniker der Kammer die betroffenen Systeme, stoppten die schädlichen Aktivitäten und spielten Sicherheitsupdates ein.

Offiziell gibt man sich gelassen. Laut Security Affairs erklärte die Kammer, der Vorfall habe keinen Notfallcharakter, solche Angriffe kämen täglich vor, auch wenn die Versuche gegen italienische, europäische und internationale Institutionen in den letzten Tagen zugenommen hätten. Nach ANSA-Angaben wurden frühere Versuche gegen die Kammer stets abgewehrt. Diesmal kamen die Angreifer bis in die Postfächer der Abgeordneten.

Der Palazzo Chigi, Sitz der Regierungschefin, teilte mit, Melonis Adresse als Ministerpräsidentin sei getrennt, besser geschützt und nicht betroffen. ANSA ergänzt, das Parlamentspostfach werde überwacht und erhalte viele an sie gerichtete Nachrichten.

Was über den Einbruch noch unbekannt ist

  • Wie sie hineinkamen: Kein Medium hat die Methode beschrieben, ob Phishing, gestohlene Passwörter oder eine Softwarelücke.
  • Was sie sahen: Ob Nachrichten gelesen oder kopiert wurden, ist nicht öffentlich.
  • Wer dahintersteckt: Niemand hat sich zu dem Angriff bekannt, Verantwortliche wurden nicht genannt.

Die Staatsanwaltschaft Rom wartet auf einen ersten Bericht der Postpolizei, der italienischen Einheit für Cyberkriminalität, um ein Verfahren wegen unbefugten Zugriffs auf ein Computersystem einzuleiten. Laut ANSA prüfen die Ermittler auch, ob dieselbe Quelle hinter Versuchen gegen andere italienische und ausländische Institutionen steckt.

Verdacht auf eine Operation der hybriden Kriegsführung

Il Giornale berichtet, in der Regierungsmehrheit gebe es den Verdacht, der Einbruch gehöre zu den Operationen der „hybriden Kriegsführung“, die zuletzt Websites anderer europäischer Parlamente trafen. Verteidigungsminister Guido Crosetto hat wiederholt vor solchen Operationen gewarnt. Am 8. Oktober traf eine DDoS-Attacke, zu der sich laut ANSA die prorussische Gruppe NoName057(16) bekannte, die Website des Außenministeriums. Security Affairs weist darauf hin, dass es keine öffentlichen Belege für eine Verbindung beider Vorfälle gibt, und eine DDoS-Attacke, die eine Website mit Datenverkehr überflutet, ist etwas ganz anderes als das Eindringen in ein Postfach.

Das Postfach eines Abgeordneten ist auch ohne Geheimnisse wertvoll. Es zeigt Kontakte, Termine und Entwürfe, und eine Nachricht von einer echten Dienstadresse wirkt weit überzeugender als eine gefälschte. Im September zeigte ein italienischer Fall, wie das abläuft: Gefälschte Anordnungen aus einem kompromittierten Postfach des Innenministeriums brachten Revolut dazu, Kundendaten herauszugeben. Wer den drei Abgeordneten zuletzt geschrieben hat, sollte unerwartete Antworten oder Bitten von diesen Adressen mit Vorsicht behandeln, bis die Kammer die Konten für sauber erklärt.

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