Telegram-Gründer Pawel Durow wurde am 9. Juli 2026 zum vierten Mal von französischen Ermittlern befragt - über sechs Stunden am Pariser Justiztribunal, in einem Strafverfahren, das nun in sein zweites Jahr geht. Seine Verteidigung sagt, der Fall beruhe weiterhin auf keinerlei Beweisen, und Telegram deutet die wiederholten Vorladungen als Druck auf eine Plattform, die auf Verschlüsselung und freier Meinungsäußerung aufbaut - und nicht als echte Suche nach Belegen.
Eine vierte Befragungsrunde
Die Sitzung vom 9. Juli ist die vierte Vernehmung Durows, seit ihn die französischen Behörden am 24. August 2024 am Flughafen Le Bourget bei Paris festnahmen. Die Ermittlungen drehen sich um den Vorwurf, die Telegram-Plattform sei zur Erleichterung krimineller Aktivitäten genutzt worden und das Unternehmen habe nicht mit Anfragen der Strafverfolgung kooperiert.
Über die erste Festnahme hinaus saß Durow nie in Haft. Er bleibt unter richterlicher Aufsicht frei: Er darf international reisen und in seinem Zuhause in Dubai leben, muss aber nach Frankreich zurückkehren, wann immer das Gericht ihn vorlädt. Der 9. Juli war eine solche Vorladung.
'Noch immer keine Beweise', sagen die Anwälte
Nach der Sitzung teilte Durows Anwaltsteam der AFP mit, dass es "fast zwei Jahre nach der Anklageerhebung gegen Pawel Durow noch immer keine Beweise gibt, die die Stichhaltigkeit der Vorwürfe belegen". Telegram ging in einer eigenen Erklärung weiter und sagte, die einzige echte Änderung seit der Festnahme 2024 sei prozeduraler Natur: "Die französischen Behörden haben begonnen, Anfragen an Telegram ordnungsgemäß zu formulieren."
Die Botschaft ist deutlich. Dem Unternehmen zufolge war die Plattform stets über legale Wege erreichbar - und der Fall habe, so seine Darstellung, ein Verfahren hervorgebracht, aber keine Beweise.
Ein Fall, der aus Frankreichs Streit mit Plattformen erwuchs
Die Befragung ist das jüngste Kapitel eines langen Konflikts zwischen Durow und dem französischen Staat. Anfang 2026 eskalierten die Spannungen so weit, dass Durow drohte, Telegram vollständig aus Frankreich abzuziehen - unter Verweis auf den Druck bei Nutzerdaten und eine Welle kryptobezogener Entführungen, die die Risiken der Herausgabe persönlicher Daten an den Staat offenlegten.
Frankreich hat gegenüber ausländischen Plattformen generell eine aggressive Haltung eingenommen. In einem gesonderten Streit suchte das Land Hilfe bei Ermittlungen gegen Elon Musks X, doch das US-Justizministerium verweigerte die Zusammenarbeit - ein Zusammenstoß, der zeigte, wie die Plattformregulierung zu einer geopolitischen Bruchlinie geworden ist.
Im Kern: Meinungsfreiheit und Verschlüsselung
Für Durows Unterstützer geht es im Fall nicht wirklich um Telegrams Moderationsbilanz - es geht darum, wer die private Kommunikation kontrolliert. Durow hat wiederholt argumentiert, "Kinderschutz" und "Beihilfe zu Straftaten" würden als Vorwand für umfassendere Überwachung genutzt - ein Thema, das er darlegte, als er das Zensur-Drehbuch der EU und Großbritanniens mit dem Vorwand Kinderschutz zur Schwächung der Verschlüsselung beschrieb.
Dieses Argument trifft einen sensiblen Moment. In ganz Europa treiben Gesetzgeber Maßnahmen voran, die verschlüsselte Nachrichten scannen oder schwächen würden, und eine Strafverfolgung gegen den Gründer einer verschlüsselungsfreundlichen Plattform liest sich für Datenschützer als Teil desselben Trends.
Fälle wie dieser sind der Grund, warum die Nachfrage nach Datenschutz-Werkzeugen tendenziell steigt, sobald eine Messaging-Plattform vor Gericht landet. Ein VPN schützt niemanden vor einer Strafermittlung, aber es verschlüsselt die Verbindung eines Nutzers und verbirgt Standort und Surfverhalten vor dem Internetanbieter - eine Erinnerung daran, dass für gewöhnliche Nutzer der Wert eines privaten Kanals nicht verschwindet, nur weil ein Gründer unter rechtlichem Druck steht.