Tor Browser 16.0 läuft nativ auf ARM-Linux, vom Raspberry Pi bis Apple Silicon
Das Tor Project hat am 29. Oktober Tor Browser 16.0 für Desktop und Android veröffentlicht. Es ist die erste stabile Version auf Basis von Firefox ESR 153, und sie läuft jetzt nativ auf Linux-Rechnern mit 64-Bit-ARM-Prozessoren, etwa einem Raspberry Pi oder einem Mac mit Apple Silicon unter Linux. Bisher mussten Besitzer solcher Geräte Testversionen nutzen.
Ein Jahr Firefox-Änderungen, auf Datenschutz geprüft
Tor Browser folgt dem Firefox-Zweig mit Langzeitunterstützung und wechselt etwa einmal im Jahr auf einen neuen. Version 15.0 basierte auf Firefox 140, 16.0 übernimmt also die Änderungen von Mozilla aus einem ganzen Jahr. Vor dem Wechsel prüften die Tor-Entwickler mehr als 270 Firefox-Änderungen, die Datenschutz oder Sicherheit der Nutzer schwächen könnten, schreibt das Projekt in seinen Versionshinweisen.
Einige neue Firefox-Funktionen bleiben abgeschaltet. Das Änderungsprotokoll nennt WebGPU, das „bis zu einer Prüfung“ deaktiviert bleibt, außerdem XSLT, die Reporting API und WebXR. Unter Android schaltet Tor Browser die KI-Funktionen von Firefox, Google Lens und Suchvorschläge ab. Das eingebaute tor ist auf 0.4.9.15 aktualisiert, NoScript auf 13.6.37.1984.
Neue Einstellungen und verborgene Fenstertitel
Auf dem Desktop wurden die Einstellungen nach dem Vorbild der Firefox-Neugestaltung vom Juni umgebaut. Die alte Seite „Allgemein“ gibt es nicht mehr, ihre Optionen verteilen sich auf neue Seiten für Darstellung, Downloads, Tabs, Barrierefreiheit und Sprachen. Die Seite „Verbindung“, auf der Nutzer Brücken gegen Sperren einrichten, und die Seite für die Sicherheitsstufe wurden im selben Stil neu gebaut. Einstellungen, die den Browser leichter per Fingerprinting erkennbar machen, sind jetzt ausgeblendet oder mit einer Warnung versehen. Bestehende Einstellungen bleiben erhalten.
Neu ist auch eine Option, jeden Fenstertitel durch „Tor Browser“ zu ersetzen. Normalerweise zeigt der Fenstertitel den Namen der geöffneten Seite, und andere Programme auf dem Rechner können ihn ohne besondere Berechtigung auslesen. Die Option ist standardmäßig aus, weil sie Nutzern von Screenreadern und ungewöhnlichen Desktop-Umgebungen Probleme bereiten kann, und die Entwickler bitten um Rückmeldungen. Einschalten lässt sie sich hier:
EinstellungenDatenschutz & SicherheitSchutz vor Drittanbieter-Anwendungen
Das eingebaute Handbuch unter about:manual wurde durch die Inhalte der neuen Support-Website ersetzt. Auf dem Desktop funktioniert es weiterhin offline, was hilft, wenn der Browser gar keine Verbindung zum Tor-Netzwerk bekommt.
Wer die Unterstützung verliert
Wie Firefox beendet Tor Browser 16.0 die Unterstützung für 32-Bit-Linux auf x86. Laut dem Projekt fragen täglich etwa 200 solcher Rechner nach Updates, 2019 waren es noch rund 4.000, und die meisten können auf die 64-Bit-Version umsteigen. Laut Änderungsprotokoll entfällt außerdem die Android-Unterstützung für x86-Prozessoren.
Unter Android ist ein Großteil der Oberfläche auf Googles Material Design 3 umgestellt. Die App muss weiter in das 100-MB-Limit von Google Play für APK-Dateien passen, deshalb ist das Handbuch auf dem Handy nicht offline verfügbar. Tor Browser schützt nur den Browser, für andere Android-Apps testet das Projekt ein eigenes Tor VPN.
Als Nächstes plant das Team eine neue Anzeige der Verbindungskette, die Mehrwege-Ketten darstellt: Der Verkehr läuft über zwei Routen, die sich an einem Exit-Relay treffen. Sie erscheint zuerst in der Alpha-Version und ist die erste Kettenanzeige unter Android.