Chinesische Zbtlink-Router kommen mit Werks-Backdoors

28.08.2026 4 Min. 3

Manche Router werden nicht gehackt. Sie kommen schon offen an. Die Sicherheitsfirma VulnCheck hat zwei weitere ab Werk eingebaute Backdoors in billigen WLAN-Routern des chinesischen Herstellers Zbtlink gefunden, zusätzlich zu einer, die sie zuvor offenlegte. Die schlimmste öffnet eine unauthentifizierte Root-Shell direkt ins öffentliche Internet, und die eigene Firewall des Routers ist so eingestellt, dass sie die Welt hereinlässt. Das ist kein Fehler zum Patchen, sondern Verhalten, das ab Werk mitgeliefert wurde.

Drei Implantate, eine offene Tür

VulnCheck zählt in der Zbtlink-Firmware nun drei separate Implantate, alle eingebaut, bevor der Karton je ein Regal erreichte:

  • DARKLANTERN ist das gefährliche. Es läuft als Dienst namens infosrvd, lauscht auf UDP-Port 9992 auf der Internetseite des Routers und führt Befehle ganz ohne Passwort aus. Die Standard-Firewall lässt diesen Port bewusst von außen zu.
  • SPEAKINGSTONE und ENDLESSDOORS sind Phone-home-Implantate: Sie melden sich bei Zbtlinks eigenen Cloud-Servern und warten auf Fernbefehle.
  • Die beiden neuen sind in Nim geschrieben und kommunizieren über UDP, und der "Schutz" um die offene Shell ist eine Prüfsumme, die jeder fälschen kann, plus ein MAC-Filter mit absichtlicher Umgehung.

Zwischen dem 18. und 21. August zählte VulnCheck 203 solcher Router offen im Internet in 22 Ländern, und die antwortenden Geräte meldeten 16 verschiedene Modelle. Das ist eine Backdoor auf Firmware-Ebene, ausgeliefert über eine ganze Produktlinie, kein einzelnes fehlerhaftes Gerät.

Warum eine Backdoor im Router Ihr VPN schlägt

Oft wird angenommen, ein VPN mache den Router darunter irrelevant. Tut es nicht. Der Router ist die Schicht unter allem, was Sie tun: Er kann Ihr DNS umleiten, Verbindungen außerhalb eines Tunnels blockieren oder umleiten und die anderen Geräte im Netzwerk direkt angreifen. Läuft das VPN auf dem Router selbst, ist es völlig in der Hand des Angreifers. Ein gekaperter Router ist auch der Weg, wie Heimgeräte still zu Proxys für fremde Straftaten werden, was wir in unserem Beitrag dazu durchgehen, wie Sie prüfen, ob Ihr Router Teil eines Botnetzes ist. Wenn das Gerät, das Ihren Verkehr trägt, jemand anderem gehorcht, hilft Verschlüsselung weiter oben nur begrenzt.

Was zu tun ist

  1. Wissen Sie, was Sie besitzen. Zbtlink-Hardware wird oft umgelabelt verkauft oder in andere Produkte verbaut, der Name auf dem Gehäuse sagt also vielleicht nicht Zbtlink. Prüfen Sie das Modell und, wenn möglich, ob ein Dienst auf UDP 9992 lauscht.
  2. Stellen Sie die Admin-Seite nicht ins Internet. Deaktivieren Sie die Fernverwaltung und setzen Sie einen nicht vertrauenswürdigen Router möglichst hinter eine weitere Firewall, statt ihn direkt ins Internet zu stellen.
  3. Bevorzugen Sie Hersteller, die nachbessern. Eine in die Firmware eingebaute Backdoor ist ein Vertrauensproblem, kein Einstellungsproblem. Bei einem solchen Gerät ist Ersetzen oft sicherer als auf ein sauberes Update zu hoffen.
  4. Halten Sie auch Markengeräte aktuell. Router-Lücken sind nicht nur ein Billigmarken-Thema: In derselben Woche lieferten auch große Namen schwere aus, etwa die Root-Lücken in TP-Link-Archer-Routern.
Wichtig: Eine Werks-Backdoor lässt sich nicht durch ein neues WLAN-Passwort oder geänderte Gewohnheiten beheben. Kommt ein Router mit einer unauthentifizierten Root-Shell zum Internet, ist die einzige verlässliche Antwort vertrauenswürdige Firmware oder ein anderes Gerät. Behandeln Sie einen unbekannten Billigrouter als nicht vertrauenswürdige Infrastruktur, nicht als sichere Haustür.
Woran erkenne ich, ob mein Router betroffen ist?
Zbtlink-Hardware wird breit umgelabelt, die sicherste Prüfung ist daher technisch: Sehen Sie, ob von außerhalb Ihres Netzwerks etwas auf UDP-Port 9992 antwortet, und gleichen Sie Ihr genaues Modell mit VulnChecks Funden ab. Im Zweifel bei einem billigen oder namenlosen Router: als verdächtig behandeln.
Schützt mich ein VPN, wenn der Router eine Backdoor hat?
Nur teilweise. Ein VPN auf Handy oder Laptop verschlüsselt weiterhin den Verkehr dieses Geräts, aber ein kontrollierter Router kann DNS kapern, andere Geräte angreifen und alles außerhalb des Tunnels manipulieren, und ein Router-VPN ist völlig kompromittiert. Der Router ist nichts, was ein VPN beheben kann.
Kann ich nicht einfach die Firmware aktualisieren?
Ist die Backdoor in die eigene Firmware des Herstellers eingebaut, entfernt ein Update von ihm sie womöglich nicht, und die Firma bestreitet die Funde hier. Wenn das Vertrauen in die Firmware selbst das Problem ist, ist das Ersetzen des Geräts meist der sicherere Weg.
Warum wird ein Router so ausgeliefert?
Es deutet auf ein Lieferketten-Problem: Implantate auf Firmware-Ebene, vor dem Verkauf hinzugefügt und über viele Modelle wiederverwendet. Genau deshalb verdient billige, markenlose Netzwerktechnik zusätzliche Prüfung statt blinden Vertrauens.

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