Teheran, 8. Januar 2026. — Was als wirtschaftliche Unzufriedenheit begann, hat sich zu einem ausgewachsenen Aufstand entwickelt. Heute Abend hat die Islamische Republik Iran den «Schalter» umgelegt und die Nation von 88 Millionen Menschen in totale Informationsisolation gestürzt. Das Regime setzt alles auf eine Karte und versucht, das Ausmaß der Repression gegen Demonstranten zu verbergen, die das Ende der Theokratie fordern.
1. Chronik des Falls: Wie die Wirtschaft die Straße entzündete
Die aktuelle Krise hat einen konkreten Ausgangspunkt — Ende Dezember 2025, als die Landeswährung ins Trudeln geriet. Der Dollarkurs durchbrach die psychologische Marke von 1,45 Millionen Rial. Für den durchschnittlichen Iraner bedeutete dies nicht nur teure Waren, sondern die physische Unmöglichkeit, Lebensmittel zu kaufen.
Eine Inflation von über 42 % und die Streichung staatlicher Subventionen für die meisten Güter des täglichen Bedarfs trieben diejenigen auf die Straße, die normalerweise loyal oder passiv blieben — den traditionellen «Basar». Am 28. Dezember ließen die Händler in Teheran, Maschhad und Isfahan die Rollläden ihrer Geschäfte herunter. Der Streik der Händler, ein historischer Verbündeter des Klerus, war ein Signal: Der Gesellschaftsvertrag zwischen der Obrigkeit und dem Volk ist endgültig zerrissen.
2. «Jahr des Blutes»: Politisierung des Protests
Hatten die Proteste 2019 oder 2022 noch konkrete Auslöser (Benzinpreise oder der Tod von Mahsa Amini), so vereinte der Januar 2026 alles. Das Echo des verlorenen «12-Tage-Krieges» gegen Israel im Juni 2025 beraubte die Machthaber der Aura militärischer Unbesiegbarkeit, und der wirtschaftliche Zusammenbruch entzog ihnen die Ressourcen.
Die Parolen wandelten sich blitzschnell. Forderungen nach «Brot» wichen Sprechchören wie «Tod dem Diktator» und Rufen nach einer Rückkehr der Monarchie. Der Name Reza Pahlavi, Sohn des letzten Schahs, ist offen auf den Straßen zu hören, was früher mit Gefängnis bestraft wurde. Sein Aufruf zu Massenaktionen am Abend des 8. Januar wurde zum Auslöser für die heutige Eskalation.
Derzeit bestätigen Menschenrechtsorganisationen den Tod von mindestens 45 Menschen, darunter Kinder. Mehr als 2200 Bürger wurden festgenommen. In der Stadt Lordegan (Provinz Tschahār Mahāl und Bachtiyārī) wurden regelrechte Straßenschlachten unter Einsatz von Waffen verzeichnet, und in der Stadt Abdanan übernahmen Demonstranten vorübergehend die Kontrolle über eine Polizeistation.
3. Der digitale Vorhang fällt
Die alarmierendste Nachricht kam am Abend des 8. Januar. Die internationale Überwachungsgruppe NetBlocks bestätigte: Der Iran befindet sich in einem landesweiten Internet-Blackout.
- Ausmaß der Abschaltung: Es handelt sich nicht nur um eine Drosselung der Geschwindigkeit oder die Sperrung von Instagram. Der Datenverkehr ist praktisch auf Null gesunken.
- Taktik der Behörden: Das Regime wandte eine Strategie der «digitalen Kuppel» an und schnitt das Land von der Außenwelt ab. Ziel ist es, die Koordination der Demonstranten zu verhindern und zu unterbinden, dass Videobeweise der Tötungen in die globalen Medien gelangen.
- Offizielle Position: Der iranische Kommunikationsminister bezeichnete dies zynisch als «Sicherheitsmaßnahme».
4. Geopolitischer Nerv
Der externe Faktor heizt die Situation an. US-Präsident Donald Trump hat bereits erklärt, dass Amerika «bereit ist, zu Hilfe zu kommen» und dass Washington «geladen und entsichert» (locked and loaded) sei, falls Teheran weiterhin Zivilisten tötet. In Teheran wird dies als direkte Drohung einer militärischen Intervention wahrgenommen, was die Nervosität der Sicherheitskräfte der Revolutionsgarden nur noch verstärkt.