Starmer stellt Apple und Google Ultimatum: 3 Monate für Kinderschutz

09.06.2026 2
Starmer stellt Apple und Google Ultimatum: 3 Monate für Kinderschutz

Der britische Premierminister Keir Starmer hat Apple und Google ein Ultimatum mit einer Dreimonatsfrist gestellt: Sie sollen eingebaute Schutzfunktionen aktivieren, um zu verhindern, dass Kinder nackte Bilder aufnehmen, senden oder ansehen - oder die Regierung wird eine Gesetzgebung einführen, die strafrechtliche Haftung für Unternehmensführer vorsieht. Die Ankündigung wurde am 8. Juni 2026 auf der London Tech Week gemacht.

Was Starmer fordert

Apple und Google verfügen bereits über Funktionen zur Erkennung und Blockierung expliziter Bilder für Nutzer mit Kinderkonten. Apples "Communication Safety"-System warnt Kinder, die nackte Bilder über Messages, AirDrop und FaceTime senden oder empfangen - eine Funktion, die erheblich erweitert wurde, als iOS 26.4 die Apple ID zur de-facto-Identitätsebene für die Altersverifikation in Großbritannien machte. Die britische Regierung bemängelt jedoch, dass diese Tools nur opt-in sind und Drittanbieter-Apps nicht abdecken.

Starmer verlangt, dass beide Unternehmen diese Schutzmaßnahmen auf alle Apps ihrer Plattformen ausweiten und sie standardmäßig für jeden Nutzer unter 18 Jahren aktivieren. Auf der London Tech Week sagte er: "Das ist keine unmögliche Aufgabe. Das sind einige der innovativsten Unternehmen der Welt, und ich glaube, sie können es lösen."

Die Gesetzgebungsdrohung

Das dreimonatige freiwillige Compliance-Fenster wird ausdrücklich durch eine Gesetzgebungsdrohung unterstützt. Innenministerin Shabana Mahmood sagte direkt: "Technologieunternehmen haben eine moralische Pflicht zu handeln, indem sie es Kindern unmöglich machen, nackte Bilder aufzunehmen, zu teilen oder anzusehen. Wenn sie das nicht tun, werden wir Gesetze erlassen."

Die Altersverifikations-Schicht

Im Vorschlag zur Blockierung expliziter Bilder steckt eine erhebliche Datenschutzkomplexität. Starmer erklärte ausdrücklich, dass die Regeln "Geräte von Erwachsenen, die ihr Alter verifizieren, nicht betreffen" werden. Das bedeutet, dass das gesamte System von einem Mechanismus abhängt, der erwachsene Nutzer von Personen unter 18 Jahren auf Geräteebene unterscheidet.

Reaktion der Industrie

Google antwortete vorsichtig und erklärte, es sei "tief dem Schutz von Kindern online verpflichtet" und "arbeite konstruktiv mit britischen Partnern zusammen, um effektive, datenschutzwahrende Lösungen zu finden". Apple reagierte nicht auf Presseanfragen.

Das größere Bild: Verbot sozialer Medien für unter 16-Jährige

Das Ultimatum zu expliziten Bildern ist das konkreteste Element eines breiteren britischen Vorstoßes, um den Zugang von Kindern zu Online-Inhalten einzuschränken. Die Regierung erwägt gleichzeitig ein Gesetz, das den Zugang zu sozialen Medien für alle Nutzer unter 16 Jahren einschränken würde - ein Verbot, ähnlich wie es bereits in Malaysia und Australien eingeführt wurde. Reuters berichtete, dass Starmer dies bald ankündigen könnte. Das britische Oberhaus hat bereits VPN-Sperren für Kinder genehmigt, die Social-Media-Beschränkungen umgehen.

Wichtig: Jedes System, das eine betriebssystemweite Altersverifikation für alle Nutzer erfordert, schafft sekundäre Datenschutzbedenken für Erwachsene. VPN-Nutzung und andere Anonymisierungstools werden wahrscheinlich zunehmendem Druck ausgesetzt sein, da Großbritannien diese Identitätsinfrastruktur auf Geräteebene aufbaut.
Fazit: Starmers Ultimatum an Apple und Google ist der direkteste Eingriff der britischen Regierung in die Frage, wie Smartphone-Betriebssysteme den Kinderschutz handhaben. Die Dreimonatsuhr läuft. Was beim Ablauf passiert - freiwillige Compliance, Gesetzgebung oder ein Rechtsstreit - wird ein Muster setzen, das Regierungen in ganz Europa genau beobachten.
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