Der Januar 2026 markierte einen Wendepunkt für das Internet in Großbritannien. Das House of Lords stimmte für radikale Änderungen am Gesetzentwurf «Über das Wohlergehen von Kindern und Schulen» (Children’s Wellbeing and Schools Bill) und billigte faktisch ein Verbot der VPN-Nutzung für Personen unter 18 Jahren sowie von sozialen Medien für Kinder unter 16 Jahren. Diese Maßnahmen, die gegen die Position der Regierung verabschiedet wurden, zielen darauf ab, Jugendlichen den Zugang zu Mechanismen zur Umgehung von Inhaltssperren zu verwehren.
1. Änderungsantrag 92: «Digitale Grenze» für VPN
Die wichtigste Änderung war der Änderungsantrag 92 (Amendment 92), der am 21. Januar 2026 angenommen wurde (207 Stimmen «dafür», 159 «dagegen»). Er verpflichtet VPN-Dienstanbieter, eine strenge Altersüberprüfung (Age-Gating) einzuführen, um sicherzustellen, dass ihre Dienste nicht von Kindern genutzt werden. Der Gesetzgeber argumentiert, dass VPNs zu einem «digitalen Dietrich» geworden sind, der es Jugendlichen ermöglicht, die durch das Online-Sicherheitsgesetz (Online Safety Act) eingeführten Altersbeschränkungen zu umgehen.
Dies bedeutet, dass jeder in Großbritannien verfügbare kommerzielle VPN-Dienst die Identität jedes Nutzers überprüfen muss, um Minderjährige auszusortieren. Experten warnen, dass dies zur Deanonymisierung aller VPN-Nutzer im Land führen könnte.
2. Änderungsantrag 94A: Soziale Medien erst ab 16 Jahren
Noch brisanter war der Änderungsantrag 94A, der die Erstellung von Social-Media-Konten für Personen unter 16 Jahren verbietet. Die Initiative, unterstützt von einer Elternbewegung (einschließlich der Mutter der verstorbenen Brianna Ghey), zielt darauf ab, algorithmische Abhängigkeit und schädliche Inhalte zu bekämpfen. Die Abstimmung zeigte eine überwältigende Unterstützung im Oberhaus: 261 Stimmen «dafür» gegen 150.
- Umfang des Verbots: Betrifft alle großen Plattformen (TikTok, Instagram, Snapchat).
- Verantwortung: Plattformen sind verpflichtet, «hochwirksame» Methoden zur Altersüberprüfung einzuführen.
- Konsultationen: Die Regierung versuchte, die Entscheidung zu verzögern, indem sie am 20. Januar Konsultationen zu diesem Thema startete, aber die Lords beschlossen, sofort zu handeln.
3. Reaktion der Industrie und technische Probleme
Die Tech-Community reagierte mit Kritik auf die Nachrichten. Der CEO von Windscribe, Yegor Sak, bezeichnete den Versuch, VPNs zu verbieten, als «die dümmstmögliche Lösung» (dumbest possible fix) und merkte an, dass Jugendliche leicht Alternativen finden werden, zum Beispiel durch das Mieten eigener VPS-Server, die nicht unter die Definition von «Verbraucher-VPN» fallen.
Die Organisation Open Rights Group warnt, dass die Ausweispflicht für die Anmeldung bei sozialen Netzwerken und VPNs riesige Datenbanken mit persönlichen Informationen der Bürger schaffen wird, die zum Ziel von Hackern werden. Darüber hinaus wird dies die Privatsphäre gefährdeter Gruppen treffen, für die Anonymität von entscheidender Bedeutung ist.