18 von 40 Top-Apps notieren, welche Seiten Sie öffnen

09.09.2026 6 Min. 4

Fast die Hälfte der beliebtesten Mobil-Apps sammelt den Browserverlauf, und sie geben es auf ihren eigenen Store-Seiten selbst an. Surfshark hat die Datenschutzangaben von 40 verbreiteten Android- und iOS-Apps gelesen: 18 davon, also 45%, erklären, dass sie Informationen darüber sammeln, welche Websites Sie aufrufen. Das ist kein Leck und kein Hack. Es ist eine Zeile, die der Entwickler selbst ausgefüllt und veröffentlicht hat und die fast niemand liest.

Kurz gefasst

  • Surfshark hat die Angaben im App Store und bei Google Play für 40 führende Apps aus vier Kategorien geprüft. 18 erklären, den Browserverlauf zu erfassen.
  • Am meisten sammeln soziale Netzwerke: 9 von 10. Facebook, Instagram, TikTok, X, YouTube und Pinterest geben es auf beiden Plattformen an.
  • Shopping-Apps: 5 von 10. Messenger: Viber, Messenger und LINE. Von zehn KI-Apps nur Google Gemini.
  • Der Mechanismus ist meist derselbe: der eingebaute Browser. Sie tippen auf einen Link, und die Seite öffnet die App, nicht Ihr Browser.

Was tatsächlich gemessen wurde

Die Studie erschien am 1. September 2026, und abgehört wurde dafür nichts. Genommen wurden 40 Apps, je zehn aus den Kategorien generative KI, soziale Netzwerke, Onlinehandel und Messenger, überwiegend aus Cloudflares Ranking der weltweit meistgenutzten Internetdienste. Geprüft wurde in jedem Store-Eintrag genau ein Feld: ob im App Store "Browsing History" und bei Google Play "Web browsing history" gemeldet wird.

Apples eigene Definition dieses Feldes lohnt zweimaliges Lesen: "Information about content the user has viewed that is not part of the app, such as websites", also Angaben über angesehene Inhalte, die nicht zur App gehören, etwa Websites. Es geht nicht darum, was Sie in der App tun, sondern um das Web draußen. Wer hier ein Häkchen setzt, teilt Apple mit, dass er Seiten protokolliert, die mit seinem eigenen Dienst nichts zu tun haben.

18 von 40Apps melden das Sammeln des Verlaufs
9 von 10sozialen Apps tun es auf mindestens einer Plattform
1 von 10KI-Apps: nur Google Gemini

Wer das Häkchen gesetzt hat

Bei den sozialen Netzwerken melden Facebook, Instagram, TikTok, X, YouTube und Pinterest die Erfassung auf beiden Plattformen, Reddit, LinkedIn und Snapchat nur unter Android. Discord war die einzige soziale App, die es nirgends angibt. Im Handel melden es eBay, Shopee und Shopify in beiden Stores, Taobao nur im App Store, AliExpress nur bei Google Play. Bei Messengern ist es ruhiger: Rakuten Viber, Messenger und LINE. Browser wurden getrennt gezählt, außerhalb der 40: Chrome, Safari und Edge sammeln den Verlauf, Firefox, Aloha und DuckDuckGo nicht.

Am interessantesten ist die Abweichung zwischen den Plattformen. Dieselbe Firma, dieselbe Marke, je nach Store eine andere Antwort. Eine solche Angabe beschreibt einen konkreten Build und die Papierarbeit dahinter, kein Naturgesetz: Sie ist eine Erklärung des Entwicklers, kein Prüfergebnis. Das ist der ehrliche Vorbehalt zur ganzen Studie, und er wirkt in beide Richtungen. Ein nachlässig ausgefülltes Formular übertreibt genauso leicht, wie es verschweigt.

Warum eine App wissen will, was Sie im Web lesen

Der Grund ist unspektakulär. Je besser ein Dienst weiß, wohin Sie online gehen, desto genauer trifft die Werbung und desto passgenauer wird Ihr Feed. Surfsharks leitender Systemingenieur Karolis Kaciulis, zitiert von TechRadar, verweist auf den Weg dorthin: Apps leiten Links immer öfter durch ihre eigenen eingebauten Browser, und sobald Sie im Feed auf einen Link tippen, sieht die App, wonach Sie suchen und was Sie lesen. Weder die sozialen Netzwerke noch die Shops aus der Liste brauchen diesen Verlauf, um zu funktionieren. Er wird gesammelt, weil er Geld wert ist.

Was ein VPN hier nicht leistet: Ein Tunnel verbirgt den Verkehr vor dem Netzwerk und dem Provider und tauscht die Adresse, die Websites sehen. Gegen eine App, die Sie selbst installiert, mit Rechten ausgestattet haben und durch die Sie nun surfen, richtet er nichts aus. Verschlüsselung schützt den Kanal, nicht die Gegenstelle, der Sie zugestimmt haben.

Wie Sie Ihr Telefon in zwei Minuten prüfen

  1. Öffnen Sie die Seite der App im App Store und scrollen Sie zu "App-Datenschutz", bei Google Play zu "Datensicherheit". Suchen Sie in den erfassten Daten nach Browserverlauf oder Web-Browserverlauf.
  2. Lesen Sie das Web nicht mehr in Apps. Halten Sie einen Link gedrückt, um ihn im eigenen Browser zu öffnen, oder wählen Sie im Menü des eingebauten Fensters "Im Browser öffnen".
  3. Hat die App einen Schalter für ihren internen Browser, schalten Sie ihn aus. Telegram hat ihn unter Android in Einstellungen, Chat-Einstellungen, In-App-Browser.
  4. Machen Sie einen Browser zum Standard, der eine solche Erfassung nicht meldet. Firefox und DuckDuckGo sammeln den Verlauf nicht, und Firefox unter iOS bringt inzwischen einen eigenen Werbeblocker mit.

Es geht nicht um eine einzelne App. Die Datensammlung ist längst offen erklärt, in einem einheitlichen Formular, auf einer Seite, die jeder öffnen kann, und geht trotzdem unter, weil niemand so weit scrollt. Genau dasselbe Muster gab es bei Hardware, als sich zeigte, dass LG-Fernseher bei ausgeschaltetem Bildschirm zuhören und das Heimnetz scannen. Das Problem ist nicht die Angabe. Das Problem ist die Gewohnheit, sie nie zu lesen.

Lesen Apps den Verlauf meines Browsers?
Nein. In Safari oder Chrome greifen sie nicht hinein. Gemeint sind Seiten, die Sie über die App selbst geöffnet haben, vor allem in deren eingebautem Browser, dazu das, was ihre Tracker auf Websites sehen, in die sie eingebunden sind.
Die Studie kommt von einem VPN-Anbieter. Kann man ihr trauen?
Die Daten sind öffentlich. Alle Zahlen stammen aus den Angaben im App Store und bei Google Play, jede App der Liste können Sie auf denselben Seiten selbst nachprüfen. Genau das ist der Wert: nachprüfbar statt Insiderbericht.
Stoppt ein VPN das?
Nein. Ein VPN verbirgt den Verkehr vor dem Netzwerk, in dem Sie gerade sind, und tauscht die IP-Adresse, die Websites sehen. Die App auf Ihrem Telefon sitzt innerhalb des Tunnels und sieht weiterhin, was Sie in ihr öffnen.
Wie stoppe ich das, ohne die App zu löschen?
Verlagern Sie das Lesen nach draußen. Öffnen Sie Links im eigenen Browser, schalten Sie den internen Browser ab, wo die App es zulässt, und lassen Sie unter iOS die Bitte, nicht zu tracken, aktiv. Sie begrenzt Werbetracking zwischen Apps, hebt die eigenen Aufzeichnungen der App aber nicht auf.

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