Die Trump-Administration entwickelt ein staatliches Portal - freedom.gov - das Nutzern weltweit Zugang zu Inhalten ermoeglichen soll, die von ihren Regierungen gesperrt wurden. Das Projekt richtet sich vor allem gegen Europa, wo der Digital Services Act (DSA) Plattformen zur Entfernung "illegaler Inhalte" verpflichtet.
Was ist freedom.gov
Die Domain freedom.gov wurde am 12. Januar 2026 registriert. Stand Februar zeigte die Website nur eine Platzhalterseite mit dem Slogan: "Information ist Macht. Machen Sie Ihr Menschenrecht auf freie Meinungsausserung wieder geltend. Machen Sie sich bereit."
Laut Reuters leitet Sarah Rogers, Staatssekretarin fur oeffentliche Diplomatie, das Projekt. Die Administration plante ursprunglich, das Portal auf der Munchner Sicherheitskonferenz im Februar 2026 vorzustellen, verzogerte den Launch jedoch, nachdem Behordenjuristen Bedenken anmeldeten.
VPN als Werkzeug der Redefreiheit
Das Hauptmerkmal ist ein integriertes VPN. Reuters-Quellen berichteten, dass der Dienst den Internetverkehr der Nutzer so verschleiern wird, dass er scheinbar aus den USA stammt. Die Nutzeraktivitat auf der Website wird nicht verfolgt.
Ein solches Tool wurde eine US-Regierungswebsite faktisch zu einem offiziellen Proxy fur die Umgehung der Gesetze Europas, Brasiliens und anderer Lander mit Internetbeschrankungen machen.
Gegen wen richtet sich das Projekt
Hauptziel ist der EU Digital Services Act (DSA). Auf dieser Grundlage hat die Europaische Kommission X (ehemals Twitter) im Dezember 2025 mit 120 Millionen Euro fur Verstose gegen Transparenzpflichten und das Kontobestatigungssystem bestraft.
"Die EU sollte die Redefreiheit unterstuzen, nicht amerikanische Unternehmen wegen Mull angreifen", schrieb Vizeprasident JD Vance damals auf X.
Auch Brasilien ist im Fokus - das Land verabschiedete 2025 ein Gesetz, das Minderjahrigen den Zugang zu Glucksspiel- und Pornografie-Seiten verbietet - ebenso wie China mit seiner "Grossen Firewall".
Ein geopolitischer Konfliktherd
Experten warnen: freedom.gov konnte einen ernsten diplomatischen Konflikt ausloesen. Die US-Regierung wurde Burgern anderer Staaten offiziell helfen, deren eigene Gesetze zu umgehen. Das Aussenministerium bestritt Reuters-Berichte, wonach rechtliche Bedenken die Verschiebung verursacht hatten, und betonte, dass "digitale Freiheit eine Prioritat" der Administration bleibe.
Unklar ist, wann das Portal gestartet wird und wie es vor Angriffen auslandischer Geheimdienste und Hacker geschutzt werden soll.
VPN als Instrument der Grossmachtpolitik
Die Geschichte von freedom.gov enthuellt ein Paradox: Die USA haben jahrelang Russland und China fur Internetzensur kritisiert und Umgehungstools fur deren Burger finanziert. Jetzt wird dieselbe Logik auf Verbundete in Europa angewendet.
Wenn das Portal gestartet wird, ware es das erste Mal, dass die US-Regierung Burgern fremder Staaten - einschliesslich EU-Mitglieder - offiziell ein Tool zur Umgehung ihrer eigenen Gesetze bereitstellt.
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