Russlands Roskomnadzor wegen DDoS-Angriffen auf VPN-Infrastruktur beschuldigt

07.06.2026 2
Russlands Roskomnadzor wegen DDoS-Angriffen auf VPN-Infrastruktur beschuldigt

Russlands Internetregulierungsbehörde Roskomnadzor (RKN) hat Berichten zufolge ihren Krieg gegen VPNs von passiver Blockierung auf aktive DDoS-Angriffe ausgeweitet, wobei Amnezia VPN und BlancVPN zu den ersten dokumentierten Opfern gehören. Die Angriffe begannen Ende Mai 2026 und markieren einen beispiellosen Wendepunkt im Vorgehen der russischen Behörden gegen VPN-Dienste.

Von Blockierungen zu aktiven DDoS-Angriffen auf VPNs

Jahrelang war das primäre Instrument von Roskomnadzor gegen VPN-Dienste die Deep Packet Inspection (DPI) und das Blockieren von IP-Adressen. Das änderte sich Ende Mai 2026, als Amnezia VPN - eines der am weitesten verbreiteten Datenschutz-Tools in Russland - schwere Verfügbarkeitsprobleme meldete. Bis zum 1. Juni bestätigten die Entwickler: Die Störungen waren keine gewöhnlichen Blockaden, sondern direkte DDoS-Angriffe auf ihre Infrastruktur.

"Zum ersten Mal können wir als Tatsache feststellen, dass Roskomnadzor begonnen hat, nicht mehr nur VPN-Server zu blockieren, sondern unsere Infrastruktur aktiv anzugreifen", schrieben die Entwickler von Amnezia VPN. Die Angriffe machten die Free- und Premium-Server von Amnezia VPN nahezu unerreichbar. Die Wiederherstellung zog sich über Tage hin, während die Entwickler rund um die Uhr arbeiteten.

Auch BlancVPN und andere VPN-Dienste betroffen

Auch BlancVPN verzeichnete erhebliche Störungen, konnte sich jedoch bis zum 4. Juni teilweise erholen. Ein Vertreter von BlancVPN erklärte: "Im Jahr 2026 gab es mehr Blockaden als 2025, und 2025 mehr als 2024, und es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass sich dieser Trend ändern wird." Die Beschwerden über MTProto - das kryptografische Protokoll von Telegram - erreichten ebenfalls ein beispielloses Ausmaß, was auf eine koordinierte Aktion gegen Anonymisierungstools im Runet hindeutet.

Rechtliche Grundlage der Roskomnadzor-Eskalation

Im Oktober 2025 verabschiedete Russland das Regierungsdekret Nr. 1667, das die Durchsetzungsbefugnisse von Roskomnadzor erweiterte und es der Behörde erlaubt, praktisch jeden Dienst mittels TSPU-DPI-Technologie (technische Mittel zur Abwehr von Bedrohungen) an den Netzwerkknoten aller Betreiber zu blockieren. Dieser rechtliche Rahmen scheint die Regulierungsbehörden ermutigt zu haben, Dienste aktiv per DDoS zu stören, anstatt sie nur zu filtern. Roskomnadzor äußerte sich nicht zu der Erklärung von Amnezia VPN.

Was das fur die VPN-Infrastruktur in Russland bedeutet

Eine blockierte Server-IP kann schnell ersetzt werden. Eine Infrastruktur, die unter anhaltenden DDoS-Angriffen steht, kann sich jedoch nicht so leicht erholen. Nutzer, die auf obfuszierte VPN-Protokolle angewiesen sind, stehen nun einem aggressiveren Gegner gegenüber, der bereit ist, den Netzwerkzugang zu verschlechtern, anstatt ihn nur zu verweigern. Die DDoS-Taktik überlastet die Server, unabhängig davon, wie clever der VPN-Verkehr getarnt ist. Da Millionen russischer Nutzer auf VPNs angewiesen sind, um auf blockierte Plattformen zuzugreifen und sicher zu kommunizieren, stellen diese Angriffe eine aktive Cyber-Offensive gegen digitale Datenschutz-Tools dar.

Wichtig: Russische Nutzer mit Verbindungsproblemen sollten nach VPN-Diensten suchen, die ihre Infrastruktur häufig rotieren und mehrere Fallback-Protokolle anbieten. Statische Server mit festen IP-Adressen sind leichtere DDoS-Ziele.

Fazit

Fazit: Die gemeldeten DDoS-Angriffe von Roskomnadzor gegen Amnezia VPN und BlancVPN Ende Mai und Anfang Juni 2026 stellen eine qualitative Eskalation der Internetzensur in Russland dar. Der Übergang von der Blockierung zur aktiven DDoS-Attackierung von VPN-Infrastruktur signalisiert, dass die russischen Behörden aktiv versuchen, VPN-Dienste zu zerstören. Mit dem Inkrafttreten des Dekrets Nr. 1667 wird der Druck auf Datenschutz-Tools in Russland nur noch weiter zunehmen.
Tags: vpn russland roskomnadzor zensur cybersicherheit blockierung internetfreiheit

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